Re: BB’s cineastisches Hinterzimmer

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blitzkrieg-bettina

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The Rocky Horror Picture Show, 1975, Jim Sharman

Kult – was für ein abgenudelter Begriff. Ursprünglich eine Bezeichnung für die Gesamtheit religiöser Handlungen, wanderte dass Wort irgendwann in den Bereich der Populär-Kultur ab, um von Fernsehserien über Comics bis zu Werken und Persönlichkeiten aus Film und Musik alles zu bezeichnen was in irgendeiner Form so etwas wie Strahlkraft verströmte, und sei es aus einer Skurrilität heraus. Irgendwann begann eine Inflantion des Begriffes, und in den Neunziger Jahren wurde jede x-beliebige Boygroup mit dem Begriff „Kultband“ belegt. Ob man das Wort mit K heute noch unbefangen verwenden kann, ohne dass es lächerlich, altbacken oder unoriginell wirkt? Nun, gibt es den ein cineastisches Werk auf das der Begriff „Kult-Film“ zutrifft wie auf kein zweites?

Nun, ich könnte jetzt Name-Dropping betreiben, aber ich denke es reicht wenn wir uns der „Rocky Horror Picture Show“ zuwenden, diesem legendären Streifen von 1975, vom sonst eher unbekannten Australier Jim Sharman. Anfangs von der Kritik verrissen, entwickelte sich im Laufe der Zeit eine fast abgöttische Verehrung des Werkes, eine Entwicklung die ich gerne etwas näher untersuchen würde.

Auf den ersten Blick ist die R.H.P.S. eine Parodie auf die Science-Fiction-Filme der Fünfziger Jahre, wie sie auch im Vorspann erwähnt werden. Aber das allein erklärt natürlich nicht den Status, den dieses Werk hat. Es ist wohl die Kombination aus Gegenüberstellung von Bigotterie und Exzentrik, der unter- und oberschwelligen Homoerotik, dem trashigen Charme und dem (wohl absolut ernstgemeinten) Plädoyer für Selbstverwirklichung und Offenheit. Ich durfte dem Film vor nicht allzulanger Zeit mit dem User Zappa1 in einem Münchner Kino beiwohnen. Wir beide waren sehr positiv überrascht wie dieser 40 Jahre alte Film auch von einem jungen Publikum begeistert aufgenommen wurde. Neben den oben erwähnten Punkten die ihn zum besonderen Kinoereignis machen, muss man bei diesem Filme natürlich noch dass Gemeinschaftserlebnis dazu zählen, die zum Ritual gewordene Aufzählung von „Booooring“, „Asshole“ und so weiter…Und das über mehrere Generationen!

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Man hatte uns als Kindern das Ende der Welt versprochen, und dann bekamen wir es nicht.