Re: BB’s cineastisches Hinterzimmer

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blitzkrieg-bettina

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The Burger And The King, 1996, James Marsh

Über Elvis Aaron Presley – den King of Rock and Roll – ist ja nun schon wirklich alles geschrieben und erforscht worden – seine Bedeutung für die Musikhistorie, seine Zeit bei der Army, sein Verhältnis zu seiner Mutter, zu Richard Nixon und zur schwarzen Musik, sein Beitrag zur amerikanischen Kultur und nicht zuletzt sein Hüftschwung – über all dies sind Aufsätze, Artikel, Bücher, Blogs und wissenschaftliche Abhandlungen ohne Ende verfasst worden.
Falls jetzt gedacht wird dass es keinen weissen Fleck mehr im Wirken und Leben von Mr. Presley gibt, so ist dies ein Irrtum: Ein Themenfeld wurde noch nicht zerpflückt, analysiert, interpretiert und was man sonst so mit Themenfeldern macht, nämlich seine Essgewohnheiten!

Hmm, was hat The Pelvis wohl zu sich genommen? Sein Drogenkonsum ist ja allgemein bekannt, aber sonst? War er eher ein versnobter Feinschmecker, der es sich bei seinen Besuchen im Weissen Haus hat munden lassen? Oder stand er mehr auf Südstaaten-Hausmannskost? Hat sich der Schmalztollenkönig mit seinem Freund James Brown regelmäßig auf eine kleinere oder größere Portion Soul Food verabredet?

Nun, der britische Regisseur James Marsh hat es herausgefunden: In seiner mit feinem britischen Humor erzählten Dokumentation „The Burger And The King“ unternahm er eine Expedition an die Wurzeln der Nahrungszufuhr des größten Rock’n’Roll-Sängers, eine Doku die man auch als Reflektion über die Geschichte und Entwicklung amerikanischer Esskultur deuten kann.

„The Burger…“ beginnt zur Zeit der Großen Depression, als die Presleys sich gezwungen sahen ihren Mittagstisch mit Selbsterlegtem wie Beutelratten und anderem Südstaatengetier zu bestreiten. Beim jungen Elvis hat sich dies derart ins Gedächtnis gebrannt, dass er als Erwachsener praktisch nur Fast Food zu sich nahm. Besonders seine Vorliebe für Cheeseburger war in seinem Umfeld legendär, es ging sogar das Gerücht dass er sein Leben lang den Umgang mit Messer und Gabel nie erlernte. Ein anderes Lieblingsgericht von Mr. Elvis – so nannte ihn seine Leib- und Magenköchin – war eine spezielle Erdnusspfanne nach altem Rezept, welches eben diese Köchin ihm zu jeder Tages- und Nachtzeit zubereiten musste.

Marsh gelang mit „The Burger And The King“ ein gelungenes Bild auf eine weniger bekannte Seite des wohl bekanntesten Musiker des 20. Jahrhunderts – mich fesselte der Film schon bei der Erstsichtung, obwohl ich Elvis damals eher als zeitgeschichtliches Phänomen wahrnahm, weniger als einen Musiker der mich mal in irgendeiner Form interessieren könnte.

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Man hatte uns als Kindern das Ende der Welt versprochen, und dann bekamen wir es nicht.