Startseite › Foren › Fave Raves: Die definitiven Listen › Die besten Filme › BB’s cineastisches Hinterzimmer › Re: BB’s cineastisches Hinterzimmer
Goya – oder Der arge Weg der Erkenntnis, 1971, Konrad Wolf
Konrad Wolf gilt im allgemeinen als der bedeutendste Regisseur der DDR. Besonders „Ich war 19“ von 1968 gilt bis heute als Klassiker des Antikriegsfilms. Aber auch „Der geteilte Himmel“ oder „Solo Sunny“, welche den Alltag der Ostdeutschen ungeschönt einzufangen versuchen, zählen zu seinem Werk.
1971 ging er das Wagnis ein Lion Feuchtwangers Roman „Goya oder Der arge Weg der Erkenntnis“ auf Leinwand zu bringen, mit einem Jahr Vorbereitungszeit und 3000 Kostümen, es dürfte sich wohl um den aufwendigsten Film handeln der je im Arbeiter – und Bauernstaat gedreht wurde.
„Goya“ zeichnet das Leben des spanischen Malers Francisco de Goya (1746-1828) nach, von seinem ersten Erfolgen in Madrid über die Berufung als Hofmaler bis zum Verlust der Hörkraft und dem (unter anderem) damit einhergehenden Gewinn seiner Bilder an Abgründigkeit und Tiefe.
Wolf schaffte es meisterhaft zur künstlerischen Entwicklung von Goya eine filmische Entsprechung zu finden, die Filmbilder sind am Anfang bunt und opulent und werden mit der Zeit immer düsterer.
Besonders gelungen sind die Szenen in denen Goya vor ein Inquisitionsgericht gestellt wird (wegen seinem Gemälde „Die nackte Maja“), sowie das Wiedersehen des bereits völlig tauben Francisco mit seiner Mutter, die ihn fragt ob die Dämonen die er zeichnet seine Dämonen wären.
Auch die spanische Königsfamilie um Karl IV. wurde kongenial in Szene gesetzt, ganz wie Goya dieselbige auf seinem bekannten Gemälde darstellte. Rolf Hoppe stellt den spanischen König so dümmlich dar wie es geschichtlich überliefert ist.
Konrad Wolf war ja alles andere als ein Künstler welcher bei den Mächtigen aneckte, er wurde ja mit Preisen überhäuft, sowohl in der DDR wie auch im sozialistischen Ausland. Er war ja auch, nach allem was man weiss ziemlich mit der Staatsführung einverstanden, trotzdem wird er sich die Individualität bewahrt haben die einem Künstler nun mal zu eigen ist. Und so bewegen sich ja auch viele seiner Filme zwischen dem Blick auf die einfachen Leute, welchen man durchaus aus seinen sozialistischen Ansichten erklären kann, und einer schonungslosen Darstellung des DDR-Alltags, er stellte ja gerne Aussenseiter da, welche sich nicht in die sozialistische Gesellschaft integrieren lassen wollten, sein Film „Sonnensucher“ wurde ja dementsprechend auch 14 Jahre lang nicht gezeigt.
Und so dürfte uns der Film „Goya – oder der arge Weg der Erkenntnis“ noch heute so bewegen gerade weil man Wolfs Interesse am Thema spürt, man kann davon ausgehen das er sich in der Person Francisco de Goya wieder finden konnte, auch er ein Künstler welcher ein offizieller Staatskünstler war, welcher seine humanistischen Überzeugungen hatte, er fühlte sich den Idealen der französischen Revolution verpflichtet, diente einem absolutistischem und unfähigem König, als Napoleon versuchte die von Goya hochgehaltenen Ideale in Spanien durchzusetzen endete dies in Blutbädern, auch Wolf wird aufgefallen sein das in dem von ihm verfochtenen Sozialismus vieles nicht ideal verlaufen ist, trotzdem fühlte er sich diesem Deutschland verpflichtet, wie Goya hatte er eine Form von Glauben an die Macht der Kunst.
--
Man hatte uns als Kindern das Ende der Welt versprochen, und dann bekamen wir es nicht.