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Deichking, 2006, Michael Söth
Und schon wieder Trash: „Deichking“ sollte wohl so etwas wie eine Komödie mit typisch norddeutschem, trockenem Humor werden, eventuell auf den Spuren von Detlev Buck, wir werden es wohl nie erfahren.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Bauernsohn Fiete (John Barron) erfährt durch seine Verlobte erstmals von der Existenz von Elvis Presley, als sie ihn verlässt beschliesst er selber zu einer Elvis-Inkarnation zu werden, zu erst trägt er sein Liedgut den Schafen am Deich vor, dann in der örtlichen Kirche, wo natürlich sofort klar ist das der Teufel in Gestalt von Elvis in ihn gefahren ist, weswegen gleich vor Ort ein Exorzismus gegen ihn stattfindet. (Den Pfarrer spielt niemand geringeres als Bela B.) Als auch diese Versuche nicht glücken fasst Fiete den Plan nach Memphis, Tennessee auszuwandern um dort endgültig in die Fusstapfen seines Idols zu treten.
So hanebüchen wie die „Story“ des Films ist auch seine Umsetzung, weder ist er witzig, noch sind die schauspielerischen Leistungen in irgendeiner Form bemerkenswert, und die zahlreichen Gastauftritte von Bela B. über Lotto King Karl und Fettes Brot bis Uschi Nerke wirken alle komplett deplatziert und albern.
Ähnlich wie bei „Helden sterben anders“ könnte man auch hier auf die Idee kommen das es sich umso etwas wie ein filmisches Äquivalent zur naiven Kunst handelt – sowie Sasek versuchte seine patriotischen und religiösen Gefühle in einem grottenschlechten Amateur-Monumentalepos auszudrücken, so hatte Söth wohl das Bedürfnis seine Verehrung für den King in dieser stümperhaften Pseudo-Komödie mitzuteilen. Es schien im völlig gleichgültig ob dieser Film bei der Kritik ankommt, ob er ein Publikumserfolg wird, oder ob er so etwas wie ein Kultobjekt im Sinne von Ed Wood wird (noch nicht einmal das kann ich mir vorstellen.) Sicher ist sein Vorgehen sympatischer als der anscheindend ja sektiererische Ansatz von Ivo Sasek, doch staunen lässt einen dieses offensiv vorgetragene Bedürfnis sich fernab jeden Talents filmisch zu betätigen schon.
Oder ist „Deichking“ in seinem offen zur Schau getragenen Dilettantantismus vielleicht sogar als Hommage an die originalen Elvis-Filme zu verstehen, die ja auch nicht immer cineastischen Höchstansprüchen genügten?
Wie auch immer, wer etwas über das Leben auf dem Land in Schleswig-Holstein erfahren möchte ist in jedem Fall mit Cho Sung-hyungs „Full Metal Village“ besser beraten.
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Man hatte uns als Kindern das Ende der Welt versprochen, und dann bekamen wir es nicht.