Re: ROLLING STONE Dezember 2010

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nail75

Registriert seit: 16.10.2006

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Ein wirklich komisches Heft. Das Lennon Special vermittelt mir nur wenig Neues, die Bilder sind allerdings toll. Westernhagen ist schon irgendwie interessant, sogar für mich, der kein Bedürfnis hat, seine Platten zu hören. Andererseits wirkt es – wie j.w. oben angemerkt hat – schon so, dass man mit etwas mehr „Aggressivität“ in den Fragen vielleicht noch mehr herausholen können. Westernhagen wirkt wie ein Mensch, der viele Ideale hat, aber in Bezug auf seine Person nicht in der Lage war oder ist, sie konsequent zu verwirklichen. Das geht ja den allermeisten Menschen so, aber da hätte man ansetzen können, um ihn noch mehr zu „kitzeln“.

Dann die Drogenstory. Tja, der Bericht ist eigentlich nicht schlecht, spricht auch durchaus tabuisierte Themen an, beispielsweise die Gefahren des Alkohol, denn hierzulande besaufen sich ja nicht nur Jugendliche (echt!), obwohl man beim Studium der Presse manchmal den Eindruck haben könnte. Aber man fragt sich schon, was der Artikel im RS zu suchen hat. Artikel über gesellschaftspolitische Themen ist man im deutschen RS schlichtweg nicht gewohnt, die US-Artikel, die man diesbezüglich abdruckte, beschäftigten sich ja stets mit den USA oder internationalen Themen. Echtes Neuland und vielleicht auch deshalb etwas irritierend. Mich würde wirklich mal interessieren, wie dazu die Resonanz der Leser war und wie gut sich dieses Heft verkauft hat.

Vielleicht liegt die geringe Resonanz auf den Artikel hier im Forum auch daran, dass die deutsche „Drogenszene“ relativ harmlos ist. Natürlich gibt es zahlreiche Alkoholiker usw., aber wenn man Zahlen vergleicht, was Deutsche im Vergleich zu Amerikanern konsumieren, dann ist das vergleichsweise harmlos. Hierzulande betrinkt man sich, manche rauchen auch mal einen Joint oder nehmen irgendetwas anderers, aber in den USA scheint fast jeder irgendetwas zu nehmen, seien es verschreibungspflichtige Medikamente, Alkohol oder illegale Drogen. Das ist von der Qualität überhaupt nicht vergleichbar und erstreckt sich wirklich durch die ganze Gesellschaft. Das ist mit Deutschland nicht einmal im Ansatz vergleichbar. Wenn also der Heavy-Metal-Held Schmier die Amerikaner als „extrem verdrogt“ bezeichnet, dann kann ich das nur bestätigen, obwohl wir an unterschiedliche Gruppen denken. In Europa sind wohl Engländer und Spanier (das schreibt er ja auch) besonders extrem. Kein Grund zur Verharmlosung deutscher Drogenprobleme und das tut der Artikel ja auch nicht, im Gegensatz er greift ja vor allem den Alkoholkonsum zu Recht an, aber vielleicht wollen gerade deshalb viele davon nichts wissen, weil sie befürchten, das könnte das nächste Thema werden. :lol:

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Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.