Startseite › Foren › Kulturgut › Das musikalische Philosophicum › "Indie": Genre? Vertriebsweg? Vorsilbe? › Re: "Indie": Genre? Vertriebsweg? Vorsilbe?
StaggerleeEin schöner Beitrag, ich frage mich dennoch zweierlei: 1.) Hat z.B. Sonic Youth nicht einige ihrer besten Alben auf einem Major Label veröffentlicht- stimmt also die Zweiteilung immer die Du hier aufmachst unbedingt? 2.) Was Du da beschreibst, könnte man auf jedes andere Produkt jenseits der Musik übertragen- anders gesagt: Du beschreibst hier schlicht weg Kapitalismus- und damit die Voraussetzung, daß eben immer wieder neue Stile/Trends in der Popmusik entstehen (ein Produkt, daß Erfolg hat wird so lange auf den Markt gebracht, bis eben eine Sättigung erreicht ist- nächstes Produkt). Zudem: Ob es unbedingt das „böse“ Major Label war, das die Band ihren Stil ändern ließ- kann sein. Es könnte aber auch sein, daß die Band unbedingt Erfolg haben will, und deswegen ihren Stil geändert hat (siehe aber auch die vorhergehenden Beiträge von meloy u.a.).
Als Lennon ‚watching the wheels‘ einspielte, war er bereits vermögend.Und
THE BEATLES hatten nie ein INDIE-Problem.Aber was er in dem song meinte,
war,unabhängig von dem ‚Zirkus‘ geworden zu sein,unter dessen Druck wohl
jeder newcomer unverändert bis heute steht.
Er meinte mit dem song also symbolisch auch das ‚RIESENRAD‘ des buiz,in das jede band gerät,die bereit ist dareinzusteigen.Mit Verträgen und allen Konsequenzen.Und wohl kaum einer,der bislang so einige Biographien so allerhand Rockmusikern gelesen hat, wird bestreiten,daß sich hinter den
Kulissen des Kults nur eiskalte Geschäftsszenarien abspielten.Oft bergen sie
Strukturen reichlich mafiöser Ähnlichkeiten,die hübsch tabuisiert bleiben.Der
Rock-Buiz hatte stets „rotlichtende Geschäftsmodule“ in sich bis rauf in die
höchsten Etagen der entspr. Firmen, die mittels ihrer Klientelen hofften, den
jeweils dicksten Mammon einzutreiben.
Noch heute gilt das gleiche DENKEN im Musik-Buiz. Wer mir anderes versucht
weiszumachen, dem glaube ich einfach nicht.Insofern ist der „Kapitalismus“
auch jetzt und morgen ‚Herrscher‘ über jede band oder jeden Musiker oder jede Musikerin, die sich unentwegt in den Medien ‚feilbieten‘ um in die CHARTS
zu kommen.Und möglichst ganz nach oben.Hauptsache „der Rubel rollt“.
Das ist und bleibt das schlichte LENNON-WHEEL,das auf >money,that’s what
I want< basiert und sich nur darum weiterhin um die ewig gleiche Achse dreht.
Kein 'Künstler' soll mir unterkommen, er wolle mit seiner Kunst keinen Erfolg
haben,auf daß er von ihr leben kann.
INDIE ist höchstens eine 'Zwischenphase'.
Nur die,die sie überwanden,kristallisierten heraus,ob sie sich an Qualität und Erfolg durchsetzten.Das ist allerdings auch eine Frage der 'Kontinuität' resp.
der 'Zeitdauer' im unentwegt andauernden Kommen+Gehen des Mainstreams.
--