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Ein Thema ist meines Erachtens nicht einfach einmal so vorbei. Ich äußere mich bei den aktuellen Platten gerade zu Shearwater bzw. Okkervil River, der Vor- oder Nebenband von Will und Jonathan. Bei Okkervil River kann man exemplarisch sehen, wie in typischer Weise ein Major Label eine gute Band kaputtmacht. Es schickt sie permanent auf Tour, trimmt alles auf den aktuellen Zeitgeist, damit ja hohe Chartpositionen erreicht werden. Mit welchem Ergebnis: Die Band klingt nicht mehr wie sie selbst, Freundschaften zerbrechen/Lineup Wechsel und irgendwann wird die Band vom Major abgestoßen, wenn sie so gut wie durch ist. Ja, es gibt nicht die bösen Majors generell, wo wir uns einig sein können, aber am Beispiel von Okkervil River kann man doch sehen, was passiert, wenn die Bands das falsche Label haben. Und natürlich reden die Indies Ihnen weniger rein.
Hier mein etwas längerer Kommentar zum Shearwater Album (sorry). Man möge ihn lesen oder eben nicht. Zum Text:
Je länger ich Okkervil River höre, desto besser gefallen sie mir. Allein der Bandname verhindert ja fast jeden kommerziellen Erfolg. Texte kann er schreiben, aber verstehe auch nur die Hälfte.
Shearwater bleibt der Favorit. Vielleicht wollte das Major Label (seit dem Rerelease von „Black sheep boy“) Okkervil River auch zu sehr ein trendiges Indie Image verpassen, denn sie klingen inzwischen poppiger. „A girl in the port“ bleibt eine schöne Single. Warum müssen die Majors immer versuchen ihre Künstler zu verbiegen? Okkervil River haben genügend Potential und man hätte sie einfach machen lassen sollen. Sie wären besser Indies geblieben. Das passt besser zur Musik. Die Videos von „The Stand Ins“ kommen mir etwas zu aufgemotzt daher, während Shearwater immer sehr seriös wirkt. Matador ist jedenfalls ein gutes Indie Label, was wir spätestens seit Guided By Voices wissen und es redet den Künstlern in ihr Schaffen nicht rein, sonst wären nicht diese tollen Alben von Guided By Voices erschienen. „The Stand Ins“ (2008) klingt schon anders als die Musik vorher von Okkervil River, was schade ist. „Black sheep boy“ gefällt mir gut, aber die letzten Major Alben fand ich insgesamt eben wie du gut. Vielleicht kann Meiburg sie ja zu Matador rüberholen, wenn sie irgendwann fallengelassen werden. Die Chartpositionen wird das Label bestimmt nicht zufrieden stellen. Will Sheff taugt als Indiepopper Frontmann nun wirklich nicht. Die Girls wollen süße Typen auf den Covern und keine Intellektuellen. Sie scheinen ihm zwar einen trendigen Haarschnitt verpasst zu haben, aber es passt nicht zu diesem Künstler, oder?
Wie gefällt Dir denn das neue Werk von Shearwater? Du kannst ja bei 3voor12 es gut anhören. Inzwischen gebe ich „The Golden Archipelago“ noch einen Stern mehr. Es bekommt die Höchstwertung von fünf Sternen und ist somit das beste Album des noch sehr jungen Jahres 2010.
Noch einmal kurz zu Jonathan Meiburg: Er verließ die Band während der Tour zum letzten Okkervil River Album „The Stand Ins“ von 2008. Als Grund heisst es auf der Homepage von Okkervil River, dass er sich auf Shearwater konzentrieren wollte, während es bei wikipedia nach Toursteitigkeiten ein wenig klingt. Hm, auf jeden Fall ist er beim letzten Album musikalisch noch vertreten. Okkervil River klingen so wie alle Strokes artigen Indiebands eben heute klingen. Leider. Die Alben sind gut, aber vorher haben sie nicht diesen typischen Strokes Gitarrenanschlag und das fröhlich wippende Schlagzeug gehabt, was vom Rhyhthmus doch wie alles in den Noughties klingt, was auf Erfolg aus ist: eben nach den Strokes. Ich bin kein Schlagzeuger, aber so wie zu Brit Pop Zeiten alle die gleiche Rhythmik verwendet haben, so klingen viel zu viele Bands nach den Strokes in den Noughties, immer mit dieser hektischen Attitude in den Songs, die leider bis heute anhält, wenn eine Band modern erscheinen möchte (siehe: Vampire Weekend, Los Campesinos!). Es klingt polemisch ausgedrückt wie Indie College Nerds, die auf Speed ihre Songs runterspielen. Ja, dieser Sound ist in Indieclubs angesagt und die Mädchen wissen, wie sie ihre Hüfte dazu bewegen können, aber mir klingt er zu klischeehaft, unbeschwert und auf Jugendfrische getrimmt. Es nervt einfach schnell nach ein paar Songs.
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