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Anonym
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AmadeusKlaus Hoffmann – Blinde Katharina
In einem seiner besten Lieder singt Klaus Hoffman von der blinden Katharina, und verweist darauf, was ein Sehender von einer Blinden lernen kann. Sehr ergreifend ist die letzte Strophe : „Blinde sind wie Kinder, deren Herzen man zerbricht. Sie wollen auch im Winter nur ans Licht, nur ans Licht“.
Fuuu! Interessant, wie verschieden die Wahrnehmungen sein können. An diesen Zeilen passt für mich wirklich gar nichts: Mich stört die Kombination von ironiefreiem Pathos und abgegriffenem Bild in der ersten Zeile (gegen das Klischee vom zerbrechenden Herzen an sich habe ich nichts, im eingangs von mir erwähnten „I didn’t have any summer romance“ kommt es auch vor), mich stört bei einem Lied, das so einen hohen, weihevollen Ton anschlägt, der achtlos dahintergestolperte Reim Kinder/Winter (der mir bei einem Text, der sich selber nicht gar so wichtig nimmt, einem Text, der nicht so offensiv auf hochliterarisch getrimmt und rausgeputzt ist, überhaupt nicht stören würde), und mich verärgert und verstimmt, dass diese Worte zwar mit aller Gewalt wichtig und bedeutsam und tiefsinnig klingen wollen, aber in Wahrheit so wenig an Sinn enthalten: Warum sollen Blinde wie Kinder sein, was ist denn das für ein wohlwollend herablassender Stuss?!
Na, ich will niemanden verletzen, der mit diesem Lied viel verbindet. Aber für mich taugt das nichts.
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