Startseite › Foren › Das Radio-Forum › Roots. Mit Wolfgang Doebeling › 19.04.2009 › Re: 19.04.2009
So, die Zeit ist heute begrenzt (muss noch ein Referat vorbereiten), aber die Antwort ist mir dann doch ein wichtiges Anliegen. Nun denn:
weilsteinErst hast Du aus WDs Kommentar, in dem er bemängelt, daß es nicht wenige Leute gibt, deren Beschäftigung mit Musik sich darin erschöpft, Youtube, Myspace und Co. zu konsultieren, einen generellen Vorwurf gegen alle, die sich jenseits von „Roots oder sonstigen Radioveranstaltungen über Musik informieren“ gelesen.
Nein, das habe ich keineswegs (auch wenn Freund Mehrdeutigkeit die Interpretation wohl nicht ausschließt). Woher sollte ich denn auch wissen, wer wie, woher und aufgrund was seine Platten bezieht? Ich habe mich geärgert und das war wohl auch teils rauszulesen. Immerhin habe ich bisher keinen Smiley benutzt (was obigem leider wohl wieder einen Strick dreht). Zum einen da dieses „nicht wenige“ doch ebenfalls anmaßend anmutet (nicht minder, als die Erwägung dem „einen oder anderen“ „Roots“-Hörer Beschränkung seiner Bezugsquellen zu unterstellen, wie es in Form des „Hörigkeits“-Arguments schon unzählige Male immer wieder angespült wurde) und meines Erachtens auch kaum Hand und Fuß hat. Jeder der gehäuft Links postet beschränkt sich bei seiner eigenen Beschäftigung gleich auf dieses Medium? Unwahrscheinlich. Wo sind dafür den die Anhaltspunkte? Mich würde nur mal interessieren, wie man sich diese Einschätzungen (oder doch Unterstellungen?) immer aus den Fingern zieht, wo man doch nur den kleinsten Teil der Forumsgemeinde privat kennt.
Vielmehr ist es doch meist nur ein Anreiz dem Leser (wenn denn ein Text folgt bzw. zuvor dazu gelesen wurde) gleich die Möglichkeit zu bieten, das Gelesene auch auf anderer Ebene wirken zu lassen. Und das halte ich, vielleicht im Gegensatz zu Dir (?) tatsächlich für gewinnbringenden Erkenntnisgewinn. Unmittelbar, ohne Verzögerungen, weitreichend und umfassend – ist das nicht der große Vorteil des Internets mit all seinen Bezugsquellen?
weilsteinDagegen hat auch niemand etwas gesagt.
Und wie Declan bereits anmerkte, es gibt tatsächlich auch noch etwas zwischen Roots/Rolling Stone und Myspace: Musikpresse.
Wenn es um monatliche Musikzeitschriften scheint aber auch hier nur die Minderheit von „Bedeutung“ zu sein. Visions, eclipsed braucht man ob der Themenwahl/Bandauswahl nicht, RockHard, Metal-Hammer, Zillo, Orkus, Legacy usw. schon gleich zweimal nicht. Wie man zu Mojo, ME und Spex zu stehen hat weiß ich nicht.
weilsteinDann hast Du vermutet, daß man sich als Roots-Hörer praktisch keiner anderen Quellen mehr bedienen darf:
Nach dem sinngemäßen „otis, Du mit Deinem vielen Wissen, Überblick und und und stehst doch sowieso über dem Großteil des Forums“ habe ich mir ein wenig Frotzelei herausgenommen, das ist schon richtig, ja. Mehr aber noch stößt mir weiterhin die unbeanwortete Frage auf, warum man sich nicht auch auf diesem Wege an neues wagen sollte? Der Radius des „Erlaubten“, der Personen, die überhaupt in einer Diskussion „gefragt werden können“ verringert sich doch ohne Frage. Zuerst war es ein ständig auftretender, nervtötender Krieg zwischen Vinyl -und CD-Hörern. Es schloß sich die Diskussion um Billigheimerei an, von dem Spaß daran auch unterwegs (beim Joggen! Autofahren! Lebensgefühl!) Musik zu genießen ganz zu schweigen. Jetzt sind wir angekommen, bei den Dumpfbacken, die sich bei myspace, youtube und und und bedienen und durch diese zusätzliche Anlaufstellen versuchen ihre Entdeckungslust zu stillen. Nichts für ungut, aber diese seltsame Form von Selektion erspare ich mir (und das hat nichts mit Gleichgültigkeit zu tun). Was ist denn als nächstes zu erwarten, bei Leuten, die musikalische Vorlieben und Kaufgewohnheiten mal so eben als „verpfuschtes Leben“ und „Bodensatz“ brandmarken? Ich will daran gar keinen Gedanken verschwenden. Es ist dabei nicht mal so, dass die Aussagen per se falsch wären. Mehr aber beziehen sie sich auf einen Personenkreis, der hier im Forum zumindest eher gering sein dürfte. Sollen wir uns gemeinsam über die Minderbemittelten auslassen, die gar keine Musik hören bzw. nur dann, wenn sie im Radio als Untermalung der Stimmung durch die Boxen knallt?
Nein. Es geht um Kunst, um Gefühl, um eine Leidenschaft und nicht darum für die Seminararbit mit einer Person ähnlichen „Bildungsniveaus“ die Köpfe zusammenzustecken.
weilsteinIch kenne neben Wolfgang Doebeling eigentlich keinen anderen Musik-Journalisten, der einem mehr weiterführende Lektüre, Musikmagazine oder Autoren nahe legt. Du? Sowohl seine Texte, als auch die Sendung Roots sind praktisch ein einziger Aufruf, sich intensiver mit Musik und somit Musikgeschichte auseinanderzusetzen. Folgende Äußerung kann man also nur als Unwissenheit (Du hast Dich mit der Arbeit von Wolfgang Doebeling überhaupt nicht auseinandergesetzt) oder Dummheit bezeichnet werden:
Nein, die Aussage gehört zu keiner der beiden Gattungen, da ich das so nicht bezeichnet haben will (auch wenn ich mich evtl. missverständlich ausgedrückt habe). Es stößt mir aber auf, wenn jemand glaubt mir ständig etwas vorschreiben zu wollen (und selbst wenn es nur eine unterschwellige Neigung ist). Wenn ich Wolfgangs Aussagen teilweise lese, erkenne ich keine Freude an der Vielfalt von Meinungen und „Geschmäckern“, die mich überhaupt erst hier her getrieben haben. Im Gegenteil wird nach und nach diese und jene Gruppe der Hörer ausgewiesen, die nicht mehr dem Kreis der Wissenden, also der ernst zu nehmenden Gesprächspartner beizuwohnen hat. Es ist für mich damit genau das Gegenteil von dem, was mir an gemeinsamem Musikentdecken wichtig ist: Trennung, um es überspitzt zu formulieren (mindestens aber eine permanente Abgrenzung). Die muss bei von manchen Personenkreisen auch sein? Verneine ich nicht, aber das Ausmaß betrifft mittlerweile eben doch eine ganze Reihe mehr, als man angeblich nur zu treffen glaubt. Ich werde mich auf jeden Fall nicht in die Situation begeben, den Mituser erst einen Fragebogen ausfüllen zu lassen, ehe ich mich mit ihm auf eine Diskussion zu einem bestimmten Thema einlasse.
Das wirst Du sicher anders sehn, weilstein, und nicht davon ablassen mir sogleich vermessene Dichtereien zu unterstellen. Ich nehme es zur Kenntnis, meine Ansicht lässt sich dadurch aber nicht umwälzen (zumindest nicht durch Dich).
Und dass Wolfgang an vielen Stellen Buchtipps etc. gibt, ist mir durchaus bewusst, lese hier (im „Vinyl-Bereich“) auch öfters mit.
weilsteinDu wirfst einigen Leuten also vor, daß sie sich in ihren Informationsmöglichkeiten einschränken lassen, möchtest selbst aber nicht Gegenstand der Diskussion werden („Abgesehen davon sind meine Lese -und Kaufgewohnheiten auch nicht Gegenstand dieser Diskussion. Punkt.“) Peinlich. Auf meine Frage, mit welchen Magazinen Du Dich in den vergangenen Jahren beschäftigt hast, werde ich demnach wohl keine Antwort mehr bekommen. Und noch mal zur Erinnerung, meine Frage bezog sich auf Deinen (großkotzigen) Kommentar:
Da ist absolut nichts großkotzig, da es eine generelle Aussage ist, die Du auch für Dich unterschreiben könntest (sicher!). Dass ich damit auf einen speziellen Sachverhalt reagierte, habe ich mittlerweile doch nicht selten erläutert, ich werde es kein erneutes Mal tun. Ich sage: „Ich möchte nicht nur Band x und y hören“, Du antwortest darauf „Dann spiel mal mit offenen Karten und sag mir was Du denn alles hörst!“. Seltsame Form der Erwiderung, die kaum sachdienlich ist.
Zu ersterem: Nein, dass meine ich nicht (schrieb ich allerdings auch bereits). Es geht mir darum: Die Personen, die vor manchen Informationsmöglichkeiten nicht zurückschrecken (da brauche ich noch nichtmal die bösen bösen downloads bemühen), scheinen sofort als „Tipgeber“ oder gar ernstzunehmende Mitdiskutanten nicht mehr mitgezählt zu werden. „Was hörst Du, wie hörst Du, wie viel hast Du eigentlich bezahlt?“. On the one hand sicher ganz praktisch um seine Schubladen voll zu bekommen, on the other hand aber irgendwie doch überheblich, misstrauisch, wenig gönnerhaft und schon überhaupt nicht edel.
weilsteinDaß Du das auch noch gegenüber otis erwähnst, macht es gleich doppelt so peinlich. Wie kann das eigentlich den „Tips von Ahnungslosen“ gegenüberstehen? Du meinst also, Deine Ergänzung zum Rolling Stone wären noch ein paar Links? Im Gegensatz zu den Leuten, die nur Roots und den Rolling Stone haben. Dolles Ding. Und als wäre das nicht schon alles verrückt genug, räumst Du plötzlich ein, daß es hier tatsächlich Leute gibt, die sich der Fachliteratur widmen! Nochmal: dolles Ding. Was wolltest Du jetzt eigentlich sagen? Also so unterm Strich?
Falsch weilstein und das weißt Du auch. Erwähnte Aussage traf ich bereits zu Anfang, da war von otis noch weit und breit nichts zu sehen. Ich habe sie lediglich wiederholt.
Und wenn Du mich fragst – ja, für mich steht dieser Form von Ergänzung nichts im Wege. Eine wirkliche Grundlage für die Ablehnung habe ich leider immer noch nicht bekommen, auch wenn otis sich bemüht hat mir seine Abneigung zu schildern (Danke! :kein Smiley:).
Dass mir der Großteil hier in Bezug auf „Wissen“ überlegen ist, wie sollte und wöllte ich es bestreiten? Aber wenn immer noch nicht bemerkt wurde, dass es mir darum nicht geht, ist es spätestens jetzt zu spät. Kein Wissen dieser Welt ersetzt Verstehen.
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Hold on Magnolia to that great highway moon