Re: Homophobie im Reggae

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nail75

Registriert seit: 16.10.2006

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@Cassa: Danke für die ausführliche Antwort. Ich kann nicht auf jeden Aspekt eingehen, dafür bitte ich um Verständnis.

Es ist eine Sache, über die Homophobie in der jamaikanischen (oder gesamtkaribischen) Gesellschaft und die dortigen Zustände zu diskutieren, u.a. die Frage, wie viel diese Homophobie mit krassen Gegensätzen zwischen Reich und Arm zu tun hat. Dass Schwule und Pädophile dasselbe sind, ist jedoch eines der ältesten Vorurteile – und eines der unsinnigsten. Ich will das gar nicht vertiefen, denn ist es ist sicherlich richtig, dass wir die Probleme der karibischen Homophobie nicht über Nacht lösen können. Dass europäische Medien aber auch Debatten anstoßen können, ist ja oben belegt. Das geschieht sicherlich nicht zum Schaden Jamaikas.

Was uns aber etwas angeht, ist was hierzulande passiert. Man muss ja nicht gleich mit Verbot und Staatsanwalt drohen (obwohl das eine Option bleiben muss), aber diese Künstler, die es nach Europa geschafft haben, haben sich ja nach jamaikanischen Verhältnissen mindestens bescheidenen Wohlstand erworben. Am liebsten wäre es mir, wenn Konzertveranstalter ihnen klarmachten, dass sie diese Hass-Songs einfach aus ihrem Repertoire streichen würden – am liebsten dauerhaft, mindestens aber in Deutschland. Und Boykottaufrufe und öffentlicher Druck sind durchaus geeignete Mittel, um das zu erreichen. Was ich jedenfalls nicht akzeptieren kann und niemals akzeptieren werde sind Mordaufrufe an Schwulen in Liedern. Und dabei ist mir vollkommen gleichgültig, wie die entsprechende Person das gemeint hat, was sie für ein Leben hatte, ob sie sich durch Kritik ausgegrenzt fühlt und warum das möglicherweise in Jamaika ein diskutabler Vorschlag ist. Hier ist es jedenfalls keiner. Ich habe keine Hoffnung, dass diese Leute zu einem Umdenken in der Lage sind. Daher ist die einzige Lösung vermutlich die Leute hierzulande einfach nicht auftreten zu lassen bzw. deren CDs nicht mehr zu vertreiben. Ein solches Vorgehen wird nie lückenlos bleiben, aber man sollte durchaus ein Signal setzen, dass solche Äußerungen nicht ungestraft bleiben, denn schließlich ist Diskriminierung von Homosexuellen auch hierzulande ein Problem.

Wir bestehen ja ansonsten auch darauf, dass unsere Rechtsordnung Vorrang vor den kulturellen Eigenarten anderer haben soll, bzw. muss. Ich wüsste nicht, mit welcher Begründung man in diesem Fall eine Ausnahme rechtfertigen sollte.

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Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.