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Falls noch weitere Meinungen von Interesse sind:
Eine Preisbindung (die zwar eine Art demokratische Chancengleichheit beim Erwerb eines Kulturguts als Nebeneffekt mit sich bringt, d.h. das „Prekariat“ muß sich nicht mehr – die im Vergleich gesehenen – schweineteuren „Bravo“-Hits kaufen, sondern kann durchaus auch mal über den Erwerb des neuen Portishead-Albums nachdenken…) halte ich für nicht mach- und brauchbar. Und das aus verschiedensten Gründen. Nur einer davon ist der gewaltige Qualitätsunterschied in Pressung und Aufmachung von verschiedenen Tonträgern. Wie soll man diese gravierenden/mannigfachen (materiellen) Unterschiede unter einen Preisbindungs-Hut bekommen?
Weiter: Ich persönlich empfinde das „normale“ Preisgefüge, wie es derzeit vorzufinden ist, als weitgehend angemessen und vollkommen in Ordung. D.h., damit meine ich sicherlich nicht die „Geizistgeil“-, „Nimm3zahl2“-, „Wirhassenteuer“- (…und lieben Billig, gelle? – Bezeichnend für viele Teile der Gesellschaft…) Mentalität, die auch mir bitter aufstösst.
Der Preis für eine CD-Neuware ist mit bis zu 15 Euro bestimmt nicht unerschwinglich teuer, für ein neues Vinyl-Album lege ich je nach Aufmachung auch mal gerne 20-25 Euro auf den Ladentisch. Nicht vergessen sollte man dabei, daß die allgemeine Qualität einer Vinylschallplatte im Vergleich zu früheren Zeiten angehoben wurde – natürlich gibt es auch Ausnahmen…
Eine schlichte 7″-Single sollte um die 5 Euro kosten.
Bevorzugt kaufe ich im Fachhandel, d.h. klassischen Plattenläden. Von der Gesamtmenge, der von mir erworbenen Neuware entfallen ca. zwei Drittel auf CDs, ein Drittel auf Vinyl. Sollte ein Album, bzw. eine Single von mir bereits sehnsüchtig herbeigesehnt werden, so warte ich dennoch auf den offiziellen Erscheinungstermin – um mir die Platte gleich an diesem Tage zu kaufen. Und dabei bin ich durchaus auch mal bereit, einen höheren Preis zu zahlen, als wenn ich nun mehrere Wochen warten würde, bis die VÖ u.U. billiger angeboten wird. Spekulieren kann ich an der Börse – und der Erwerb von Musik (also Kulturgütern, diesen Stellenwert hat Musik nach wie vor bei mir inne…) ist (für mich) keine Frage von übertriebener Geizistgeil-Feilscherei, da Herz- und Sinnesangelegenheit. Selbstverständlich gehört jedoch Handeln beim Kauf von Second-Hand-Tonträgern auf Börsen oder Flohmärkten zum guten Ton…
Ich lasse mich jedoch auch nicht davon abbringen, alle mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten auszuloten, um an von mir gesuchte, u.U. rare/gestrichene/in Kleinstauflagen erschienene (o.ä.) Tonträger zu gelangen. Daher sind diverse Bestellungen bei „amazon“-Z-Shops zur Gewohnheit geworden. Jedoch dort bestelle ich nur Tonträger, die ich aus anderen Quellen nicht beziehen kann, wohlgemerkt!
Vollkommen flach fallen in meinen Hör- und Kaufgewohnheiten downloads. Ich benötige noch immer rein „konservativ“-traditionell ein Cover und den Tonträger zum Anfassen – und zum Verstauen in meinen Regalen (ist natürlich auch eine Frage der Klangqualität – ich rüste doch nicht für nichts und wieder nichts meine Heim-Hifi-Anlage adäquat auf…). Ich spreche mich nun nicht grundsätzlich gegen mp3-Files, i-tunes, etc. aus (ich besitze sehr wohl einen i-pod, den ich allerdings nur im Auto benutze). Diesen Fortschritt pauschal zu verteufeln, wäre nicht nur unzeitgemäss, sondern auch der bestmöglichen Informationsverbreitung abträglich. Jedoch sollte ein besonnener Umgang Grundvoraussetzung sein. Nichts ist mir unsympathischer als Zeitgenossen, die damit prahlen, was sie nun wieder für „Schätze“ aus dem „Netz gesaugt“ hätten. Oder diese Art „Musikkenner“, die sich ihre Festplatte auf einen Schlag unkoordiniert mit allem Möglichen wahllos zuhauen – und die gewachsene Musikhistorie an einem einzigen Tage aufrollen möchten. Diese Art Musikrezeption verleitet zum undifferenzierten Kraut- und Rübenhören, wichtige Intentionen bestimmter Musikstücke, Songs und ganzer Alben gehen dadurch natürlich verloren. Bei einem Buffet kloppe ich mir ja auch nicht gleich das Tiramisu gleich neben die Fischvorspeise auf einen Teller.
Was mich allerdings am meisten ärgert, ist die Mentalität einiger Zeitgenossen, für das kleine Geld an Tonträger zu gelangen – aber an anderer Stelle ihre „Raritäten“ vollkommen überteuert anzubieten.
Ohne Frage bin ich gerne bereit, für eine gesuchte Platte auch den angemessenen Preis zu entrichten – in vielen Fällen auch einen „Liebhaberpreis“ – aber der Einkauf von Musik als Kulturgut ist vorwiegend auch eine Herzensangelegenheit (wie schon gesagt). Es reicht, wenn ich mit dem Taschenrechner meine Supermarkteinkäufe kontrolliere. Sollte es beim Tonträgererwerb einmal soweit kommen, dann lasse ich es lieber bleiben…
Und bevor ich es vergesse: sehr wohl sind mir Zeitgenossen bekannt, die sich lieber drei CDs fürs ganz kleine Geld kaufen, obwohl sie nicht hundertprozentig mit der gebotenen Kunst klarkommen, als ein Album, das „jetzt noch zu teuer ist“, denn: „für das Geld nimmt mans halt mal mit…“ Inwieweit dies auch für Personen aus diesem Forum zutrifft, kann ich nicht beantworten. Da diese Herangehensweise an Musik nunmal auch nicht jeder sofort in einem Musikforum zugeben möchte, oder?
Dies zu meinem Kaufverhalten/meinen Beobachtungen. Tiefergehende wirtschaftliche Aspekte habe ich nun nicht weiter ausgeleuchtet, würde im Moment hier auch zu weit gehen, bzw. zu erneuten fruchtlosen Diskussionen führen…
In eigener Sache: Nach diversen Erfahrungen, die ich letzte Woche hier im Forum mal wieder machen durfte, beschränke ich meine Aktivitäten (Beiträge) hier nur noch auf sachbezogene Themen, Informationen und Betrachtungen, die mir 100% mitteilenswert erscheinen. Weiterführende Diskussionen, die bereits zu ihrem Beginn den Anschein erwecken, zu nichts zu führen, werte ich als Zeitverschwendung – und werde mich daran auch nicht weiter beteiligen. Weiterhin werde ich Sympathie-/Aversionsbekundungen unbeantwortet lassen und weder für noch gegen eine Person hier im Forum Partei ergreifen. Gezielte, sachbezogene Fragen werde ich jedoch gerne beantworten, insofern ich eine befriedigende Antwort parat habe. Und: mein Ignorefunktions-Colt sitzt im Moment sehr locker…
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I mean, being a robot's great - but we don't have emotions and sometimes that makes me very sad