Startseite › Foren › Kulturgut › Das musikalische Philosophicum › Was darf/sollte ein Tonträger kosten? › Re: Was darf/sollte ein Tonträger kosten?
weilsteinNatürlich, aufhalten wird man diesen Trend nicht können, aber abschwächen allemal. In erster Linie könnte man sich als „Retter“ einer lebendigen Musiklandschaft sehen, oder? Mediamärkte manipulieren nicht unwesentlich diese Entwicklung, was dort gut verkauft wird und was nicht, ist doch schon klar bevor die CD erscheint. Der Kunde stößt also immer zuerst auf die riesigen Stapel von Neuheiten und Sonderangeboten. CDs von kleineren Vertrieben findest Du in der Regel nur einzeln, wenn sie verkauft sind werden sie oft nicht mehr nachbestellt, weil sich kaum jemand für die kleinen Vetriebe verantwortlich fühlt.
Das sehe ich genauso, aber ich kaufe keine CDs bei Mediamarkt & Co. Allerdings benötige ich auch nicht den Fachhändler vor Ort, ich hatte wie gesagt noch nie „meinen“ Plattenhändler. Ich kaufe bei Anbietern im Internet, die mir ein breites Angebot zu (für mich) akzeptablen Preisen bieten. Ich habe bis jetzt noch nicht verstanden, warum ich der Vielfalt des Musikangebotes schade, wenn ich über Marketplace-Anbieter CDs bestelle, die aus Mediamarkt-Sicht obskur und uninteressant sind? Und wieso schade ich Künstlern wie Glasvegas oder The Broken Family Band, wenn ich ihre Singles via iTunes erwerbe, wo ich früher – in der Provinz in Vor-Internetzeiten – noch nicht mal gewusst hätte, woher ich sie beschaffen sollte? Ich bin sicher, die meisten dieser „Indie“-Acts sind durchaus froh, dass es iTunes & Co. gibt, jedenfalls machen sie alle auf ihren Myspace-Seiten Werbung für ihre Download-Releases.
Noch einmal: Niemand wurde dafür verurteilt, günstig Tonträger zu erstehen, es ging einzig über die schon oft beschriebene Ramschmentalität. Seine Käufe allein über den Preis zurechtfertigen ist eben sehr fatal, statt drei Tonträgern einer x-beliebigen Band, die man eigentlich nicht so schätzt, aber bei 2,99 nicht widerstehen konnte, hätte es eben auch eine CD/LP/Single einer Band seien können, die man vielleicht viel mehr schätzt (oder einer Neuentdeckung!). Verzerrt eben extrem das Bild, oder?
Genau das tue ich jedenfalls nicht. Heutzutage muss man nicht mehr blind kaufen. Wenn ich eine CD oder einen Download-Track erwerbe, dann sehr bewusst. Ich kaufe doch keine Musik, nur weil sie mir hinterher geworfen wird. Da sind wir uns einig. Ich weiß auch nicht, ob das hier irgendwer macht.
Ich persönlich halte mehr als 15 Euro (inkl. Porto) für eine CD für ein unattraktives Angebot. Wenn die Preise prinzipiell höher wären, hätten manche Acts oder Label, deren CD ich sonst auch (gerne) gekauft hätte, das Nachsehen, weil ich eben mein Budget nur einmal ausgeben kann. Und ich hätte das Nachsehen, weil mir einige mich interessierende Neuerscheinungen und Re-Issues entgehen würden.
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