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R.E.M. – Accelerate (2008)
That’s the world as we know it… the high speed train…
„Accelerate“ ist nach vier Jahren Pause das erste Studioalbum von R.E.M., welches sich in Bezug auf Härte und Stil der Musik klar an den Frühwerken sowie dem Mitte der 90er Jahre entstandenem Album „Monster“ orientiert.
Mit nur 34 Minuten Spielzeit ist die Platte äußerst knapp geraten. Obwohl die Länge eines Songs nichts über seine Qualität aussagt, wäre hier die ein oder andere „zusätzliche Minute“ – sei es in Form von Text- oder Instrumentalparts – sicherlich kein Fehler gewesen (wie „Sing for the submarine“ – mit 4:50 der mit Abstand längste Song der Platte – beweist), auch wenn Michael Stipe & Co. mit diesem Album auf prägnante, schnörkellose Songs setzen und ein Ausufern der Stücke bewusst verhindern.
Die Radiotauglichkeit von „Accelerate“ muss sich auf Grund von fehlenden Ohrwürmern der Marke „Losing my religion“ oder „Imitation of life“ noch beweisen. Der geneigte Rockfan wird in diesem R.E.M.-Werk eine Wiederbelebung des Rock entdecken können und die Orientierung „Back to the roots“ beführworten.
Nicht nur im Vergleich zum Vorgängeralbum „Around the sun“ wird hier deutlich „beschleunigt“. Fast ausnahmslos Uptempo-Nummern, die gelegentlich an Geschwindigkeit verlieren – eine wirkliche Ballade fehlt auf dem Album gänzlich. Mit „Volldampf nach Vorne“ lautet die Devise.
Dies gelingt R.E.M. in weiten Teilen des Albums wirklich gut – den zweiminütigen Ausfall „I’m gonna DJ“ platzierten sie glücklicherweise am Ende.
Mit „Living well is the best revenge“ schaffen R.E.M. einen guten Einstieg. Schon hier wird die Richtung, in welche die nachfolgenden Songs gehen, deutlich.
Dominierende Gitarren und Schlagzeug, dazu die gewohnt starke Stimme von Frontmann Michael Stipe sowie hier und da einige Background-Vocals der Bandkollegen machen dieses Album aus. Nahezu keine Keyboards oder Pianoparts. Bloß nicht zu langsam werden.
Die erste Hälfte des Albums ist bereits nach 17 Minuten absolviert. Gehetzt muss sich dennoch niemand wirklich fühlen. Track 2 („Man-sized wreath“) ist ganz im Stile der ersten Single-Auskopplung „Supernatural Superserious“ gehalten, welche den Gesamtsound des Albums gut widerspiegelt. Keine überragenden Songs, kein zweites „Automatic for the people“ – aber ein auf gutem Niveau eingespieltes und produziertes Album. Inwieweit sich Songs ins Klassiker-Repertoir einreihen werden, bleibt abzuwarten – Potential ist aber definitiv vorhanden.
Mit „Hollow man“ nehmen R.E.M. erstmals das angeschlagende Tempo etwas zurück und es beginnt der ruhige Mittelpart des Albums. „Houston“, „Until the day is done“ und „Mr. Richards“ haben weniger Geschwindigkeit als die drei ersten Tracks, erreichen jedoch nicht ganz die Stufe der Ballade. Der Gegenpol zum Rest des Albums ist qualitativ aber auf alle Fälle geglückt. Sämtliche dieser Songs würden auch sich auch auf „Monster“ oder „New Adventures in Hi-Fi“ gut platziert fühlen und für eine Bereicherung sorgen.
Um gar nicht erst an langsamere Töne zu gewöhnen, holt „Accelerate“ den Hörer wieder zurück auf den Boden der Tatsachen – hier wird Rockmusik gemacht.
Zum Ausklang erwartet uns mit „Horse to the water“ und „I’m gonna DJ“ wieder die gewohnte Uptempo-Stücke, wobei man Letzteres als mit Abstand schlechtesten Song der Platte bezeichnen kann. Überflüssig.
Die Melancholie des 1992er Meisterwerkes „Automatic for the people“ oder dem Vorgängeralbum „Around the sun“ fehlt diese Platte allerdings – Gefühl bleibt des öfteren auf der Strecke, was hier durchaus beabsichtig scheint.
Alles in allem ist „Accelerate“ ein gelungendes Album für Freunde der Rockstars von R.E.M. und ein möglicher Einstieg für Fans der etwas härteren Töne – aber auch die etwas langsameren Songs können durch angenehme Melodien die Erwartungen erfüllen. Langeweile ist hier Fehlanzeige! Ein überzeugendes Album…
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