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Da meine These oder mein Theorem (wie es WD nennt) Grundlage dieses Threads sind, sage ich auch mal was dazu.
Grandandt hat ganz gut beschrieben, was ich damit meine. Der Beitrag von otis ist für mich aber ebenso nachvollziehbar.
Ich weiß nicht inwieweit die frühkindliche Prägung durch Eltern und Kindergarten, Schule da auch noch eine Rolle spielt. Ich selbst bin in einem durchaus musikalischen Haushalt aufgewachsen. Meine Mutter spielte viel Gitarre und sang dazu – überwiegend Volkslieder aus der Wandervogel Bewegung des frühen 20. Jahrhunderts. Dieser Einfluss setzte sich in der Grundschule und dann später im Ferienheim und Zeltlager fort; Stichwort: Mundorgel.
Ein einschneidender Wechsel, fast Bruch möchte ich sagen, fand dann aber statt, als ich die damals aktuelle Pop (Beat) Musik für mich entdeckte in einem Alter von etwa 13 Jahren. In der Beziehung bin ich vielleicht sogar ein Spätzünder. Dafür war meine Liebe zu und Beschäftigung mit dieser Musik dann umso heftiger. In den folgenden 6-7 Jahren hat mich außer Pop Musik kaum etwas Anderes interessiert. Ok, eine feste Freundin hatte ich ab meinem 16. Lebensjahr auch. Immer dieselbe übrigens.
Ich bin fest davon überzeugt, dass meine grundsätzlichen Hörgewohnheiten und Vorlieben in dieser Zeit geprägt wurden. In den Jahren nach dem Abitur fand dann noch eine gewisse Erweiterung und Vertiefung statt, und ich entdeckte nach und nach auch ältere Musik aus den frühen Sixties und Fifties bzw. Bands wie Velvet Underground, The 13th Floor Elevators u.a. Sixties Underground Helden, die ich zuvor einfach verpasst hatte.
Mein musikalisches Weltbild wurde dann noch einmal durch die Punk und New Wave Bewegung der späten 70er geprägt. Musikalisch passierte da eigentlich nichts wirklich Neues. Aber bestimmte Haltungen und radikale Herangehensweisen waren (für mich jedenfalls) neu. Ich durchlebte – auch im persönlichen, privaten Leben – sozusagen eine zweite Pubertät.
Ein bisschen hat das Ganze wohl auch mit dem Älterwerden an sich zu tun und mit den sich daraus ergebenden Veränderungen in der Wahrnehmung und Erinnerung. Mit der Musik meiner Jugend verbinde ich Geschichten, Bilder, Erinnerungen, die in aller Regel viel intensiver und gefühlsbetonter sind, als die musikalischer Erfahrungen und Erlebnisse aus jüngerer Zeit. Das heißt nicht, dass ich nicht mehr neugierig bin auf Neues. Das bedeutet auch nicht, dass ich nicht doch immer mal wieder überrascht und überwältigt werden kann von einem Musikerlebnis. Es passiert aber zunehmend seltener, und es prägt sich dann wohl auch nicht mehr so stark ein.
Dass ich zu einigen ganz Großen der Pop Musik nie eine so intensive Beziehung aufgebaut habe, gehört auch zu diesem Theorem. Ich habe David Bowie, Bob Dylan, Scott Walker (um nur drei Forumslegenden zu nennen) damals weitgehend links liegen lassen. Nicht absichtlich. Sie drängten sich mir einfach nicht auf. Ich bekam ihre Platten gar nicht oder nur am Rande mit. Selbstverständlich habe ich längst das Meiste nachgeholt. Ich kann die Musik der drei Herren heute auch einordnen und schätze sie in Teilen sogar sehr. Eine so starke Beziehung wie zu anderen musikalischen Erlebnissen und Erfahrungen ist indes nie entstanden.
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