Startseite › Foren › Kulturgut › Das musikalische Philosophicum › Die Musik meiner Jugend und ihre Bedeutung › Re: Die Musik meiner Jugend und ihre Bedeutung
Eine musikalische Sozialisation wird es ähnlich geben wie andere Sozialisationen auch. Das heißt auch, dass sie einen ähnlich hohen Grad an Einfluss auf die weitere Persönlichkeit, in diesem Fall Musikhörerpersönlichkeit, hat wie die anderen auch.
Dass für viele erst in der Jugend eine musikalische Sozialisation stattfindet und nicht schon in der Kindheit, mag mit dem Phänomen Pop und dem vorher zu geringen musikalischen Angebot aus Elternhaus und Schule zusammenhängen.
Findet eine solche aber hauptsächlich in der weiteren Jugend statt, so dürfte sie auch eine besondere Tiefenwirkung haben, immerhin mag sie da auch als Teil des Erwachsenwerdens empfunden werden. Musik mag dem Jugendlichen dann also eine Art Zuhause geben, was er sonst so nicht mehr findet in der Zeit der Pubertät etc. Diese Musik wird ihm dann wohl besonders wichtig bleiben.
Kinder, die in einem musikoffeneren Elternhaus aufwachsen, die sich also von vornherein vielen musikalischen Herausforderungen gegenübersehen, sind später m.E. weniger festgelegt in ihrer Vorlieben. Man bemerkt das auch bei den heute Jüngeren. Wir haben das letztens schon einmal angesprochen.
Was das „Hängenbleiben“ an den jugendlichen Vorlieben anbelangt, so mag, aus dem Blickwinkel einer Vertiefung und Verbreiterung der musikalischen Erfahrungswelt, dieses ganz stark hemmend wirken können. (Keiner verlangt hier vom anderen, dass man seinen musikalischen Horizont zu erweitern habe! Das ist kein Doebelingscher Imperativ, glaube ich). Viel mehr jedoch hat man vom Kosmos der Musik, wenn man sich davon lösen kann oder nie allzu sehr darin gefangen war.
Wenn man Musik aber nicht nur als Seelennahrung für die eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnisse sehen will, also nicht als wohlig wärmendes Zuhause, und über Musik in Diskurs treten will, wird man allerdings um eine Öffnung kaum umhin kommen.
Vielleicht geht es zusätzlich noch um ästhetische Grunderfahrungen, die für das spätere Leben prägend sein mögen. Ich habe zwei meiner wichtigen Erlebnisse mit Velvet Underground hier im Forum beschrieben. Diese waren für mich solche Grunderfahrungen. Sie waren nicht 60s-typisch, hätten auch zu anderen Zeiten mit anderer Musik funktioniert, aber sie haben mir zum einen emotional vordergründig wirkende Musik fast ebenso unmöglich gemacht, wie zum anderen die klassische Breitbein-Rockmusik bis hin zum selbstverliebten Prog. Ich bin nicht traurig drüber.
Es mögen für mich damit musikalische Welten verschlossen geblieben sein, anderen haben sich dafür geöffnet.
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