Re: Top Ten Film Noir

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Californian GirlIn meinen Augen leistest du nichts anderes als die Projektion von bekannten Elementen des Genres in einen Film, der zweifelsohne all dies erkennen lässt, aber bei Weitem nicht in einer Ausprägung, die die Klassifikation rechtfertigte.

Wo liegt der Hase denn eigentlich im Pfeffer? Der strukturelle Wandel im Lauf der Jahre ist doch überdies schon als Randphänomen gar nicht zu leugnen und da sich der Film Noir und dessen Plots stets als ganz besonders ausgeprägte und deutliche Spiegelungen der jeweiligen vorherrschenden politischen, sozialen und kulturellen Phänomene verstand, ist es in diesem Streifen aus dem Jahre 1955 (immerhin das Jahr der Kommunistenhatz, McCarthy & Co, paranoides Gesellschaftsklima etc.) mithin so zu sehen, dass es weniger die klassische Detektivstory ist, welche die formalen Aspekte in erstem Augenschein erfüllt und bedient; der Gangster ist nicht mehr wie im Film Noir Genre der vorhergehende Dekade z.B. „sozial“ in klar abgesteckten Organisationen verortet, sondern „nur noch“ durch seine Besessenheit/Neurose definiert. Keine Seltenheit übriegsn in der Spätphase des Film Noir. Jospeh H. Lewis‘ „Gun Crazy“ verfährt ganz ähnlich im Umgang mit den verschiedenen Mythen (Crime, Noir, Fairytales…) und gesellschaftlichen Erscheinungen, ist dabei aber natürlich weit weniger konsequent und formal weit weniger ausladend, wie Laughtons Film.

Californian GirlP.S.: Dies soll jetzt nicht antiamerikanisch klingen. Aber die USA kannten niemals „bürgerliche Werte“ im eigentlichen Sinn. Weil sie niemals etwas wie ein Bürgertum als urban sozialisiertes „Mittelmaß“ hatten.

Vielleicht nicht im volkstümlichen, deutschen Sinne. Aber in einem tradierten und klassischem Bild im Sinne von vorgeformten Idealen ganz sicher, wie bspw. die Aussage eines Korrespondeten der Stars and Stripes aus dem Jahre 1946 zeigt, die bspw. verschiedene Ressentiment gegenüber der gesellschaftlichen Stellung der Frau aus der damaligen Zeit deutlich macht: „Being nice is an almost lost art among american women. They elbow their way through crowds, swipe your seat at bars and bump and push their way around regardless. Their idea of equality is to enjoy all the rights men are supposed to have with none of the responsibilities.“ (…)

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