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otis[…]
„Zeitlos“ impliziert eine absolute und reine Ästhetik, die es m.E. über Generationen und Zeiten hinweg nicht geben kann. Es gibt keine objektive Schönheit, jede ist in ihrer Zeit geboren und erwächst aus ihr. Wenn wir sie im Nachhinein noch als schön empfinden, so deshalb, weil wir sie nach wie vor als schön sehen und verstehen können. Und das, weil sie universalere Merkmale hat, die ihre Zeitgebundenheit übertönen.
Shakespeares Sprache war absolut zeitgebunden, seine Inhalte und dramatischen Kompositionen waren es auch, die Schatten aber, die diese werfen, sind zeitunabhängig und allgemein. Ist Rafael „gut gealtert“, C.D. Friedrich? Es gab 100 Jahre in der Musikgeschichte, da war Bach absolut „unterbewertet“, einfach ignoriert, einige Jahrzehnte auch betraf das Mozart.
Und da sollen dann Leute von heute daherkommen und einem Kunstwerk von heute „Zeitlosigkeit“ attestieren können?
Schön geschrieben – ist auch besser als die Duden-Definition.
Daniel_Belsazar[…]
Der Streit darum hat aber mittlerweile solche langwierigen historischen Dimensionen angenommen, dass ich geneigt bin, wenigstens diesen als zeitlos anzusehen.
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„Zeitlos“ bedeutet für mich, dass man es einem Werk nicht ansieht/-hört, aus welcher Zeit es stammt. Als Qualitätsmerkmal taugt das aber nicht. Diversen meiner Lieblinge von Beggar’s Banquet bis Born to Run, Anodyne bis Grievous Angel kann man ihre Zeit anhören und das ist gut so. Zumal die Bewertung zeitlos ja auch eine relative ist, wie hier schon mehrfach angemerkt wurde, weil sie ja aus einer bestimmten Zeitepoche getroffen wird.
Monte Hellmans tollem Western Ride in the Whirlwind sah für mich nach Mitte der 70er aus, ist aber aus den 60ern. Ist das jetzt „zeitlos“ oder war es das mal … ?
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If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.