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nail75
Es ist mir eigentlich egal, wozu Du Dich zählst, aber vielleicht interessiert es Dich wozu ich Dich zähle, nämlich zu der Sorte von Menschen, die eine engstirnige Form des Purismus praktizieren, indem sie die Entwicklung von Künstlern, die nicht ihren vorgefertigten Maßstäben entspricht, verdammen. Zudem wollen sie sie keinesfalls mit anderen teilen, sondern in ihrem klebrigen Spinnennetz des solitären Inditums für immer für sich behalten. Sollte irgendwann einmal kommerzieller Erfolg oder Stiländerung in Richtung des sauronischen Mainstreams eintreten, dann muss ein solches Vergehen natürlich mit abschätzigen Vergleichen und „Ich mochte ja die frühen Sachen“-Kommentaren bestraft werden.
Na, wenn das mal nicht oberflächlich ist. Ich will ja gar nicht streiten, sondern meine Meinung über Cassadaga kundtun.
Ich weiß nicht, worauf du die Aussage begründest, ich würde engstirnigen Purismus praktizieren? Nur aufgrund meiner Aussage zu Cassadaga???? Ich mag beispielsweise den Bombast von „Neon Bible“ und gönne Arcade Fire den kommerziellen Erfolg von ganzem Herzen. Und das ist nur ein Beispiel von unzähligen musikalischen Veränderungen, die ich in den vergangenen 30 Jahren als Musikfan durchlebt habe. Weiterentwicklung ist immer besser als Stillstand, der ja bekanntlich ein Rückschritt ist. Aber Weiterentwicklung ist für mich dann gut, wenn sie in das Bild einer Band passt und vor allem, wenn ICH sie mag. Positiv sehe ich beispielsweise die aktuelle Platte von Modest Mouse, die ja durchaus auch Zugeständnisse an eine größere Hörerschaft macht. Als das beste Negativbeispiel sei hier aus meiner Sicht nur die neue Bloc Party genannt, die einfach produktionstechnisch die nichtvorhandenen Ideen im Songwriting kaschiert. Aber es gibt eine ganze Reihe Menschen, die finden die neue Bloc Party toll. Okreke zum Beispiel. So schlimm sehe ich Cassadaga bei weitem nicht, trotzdem erscheint mir die CD sehr reizarm.
Ach ja, wer mich kennt, der weiß, dass ich ein Kämpfer an allen Ecken gegen den Begriff „Indie“ bin. Kein musikalischer Begriff war jemals nichtssagender, ausgelutschter und dem Missbrauch derart ausgesetzt. Aber das würde jetzt zu weit führen.
Aber mit deinen Vorwürfen kannst du mich nun wirklich nicht meinen. Selbst dann nicht, wenn du es nur auf ein einziges Posting beziehst.
@Senol Pirgon:
Ich bin erwachsen. Ich habe bei normaler Lebenserwartung den größten Teil bereits absolviert. Aber die „Finger von Musik zu lassen, da ich alle beschäme, denen Musik am Herzen liegt“ erinnert mich an die Zeit, als mein Sohn mit dem Fuß auf den Boden stampfte, weil man ihm sein Spielzeug wegnahm. Es geht um die persönliche Sichtweise eines musikalischen Erzeugnisses. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich finde Cassadaga gar nicht mal schlecht. Nur halt eben nicht sehr gut. Und der Rückschluss, ich empfinde Bright Eyes jetzt als eine Variante von Stadionrock, ist schon sehr abwegig. Aber für dich gerne kompakt: Nein, ich finde nicht, dass Conor Oberst jetzt Stadionrock macht.
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