Re: Bright Eyes – Cassadaga

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nail75

Registriert seit: 16.10.2006

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Von Krolock
Hinzu kommt, dass ich Oberst aufgrund der spröden Darbietung seiner Songs mochte, die einfach charmant war. Jetzt macht er Musik, die auch Gernehörer von Coldplay und U2 und Springsteen und Konsorten mögen mögen. Und zu denen zähle zumindest ich nicht mal ansatzweise.
[…]
Noch verstehst du sie nicht, NOCH! In Bälde wirst du verstehen. Es sei denn, du magst Coldplay. Allerdings sollten wir es dabei belassen, sonst unterstellt mir noch jemand, Bright Eyes klängen wie Coldplay. Was natürlich a) gar nicht stimmt und b) einer wüsten Beschimpfung von Conor Oberst gleichkäme.

Ich mag Coldplay, ich habe mir das erste Album aufgrund der Rezension im RS gekauft und bin seitdem ein Fan der Band. Besonders vom ersten und zweiten Album bin ich bis heute begeistert und auch X&Y ist gut, wenn auch nicht herausragend. Ich schätze gleichfalls U2 und Springsteen und bin auch über substanzlose, wegwerfende Bemerkungen über diese Künstler nicht begeistert. Bright Eyes höre ich seit „Lifted“, auch das eines der zahlreichen vom RS angegregten Anschaffungen.

Es ist mir eigentlich egal, wozu Du Dich zählst, aber vielleicht interessiert es Dich wozu ich Dich zähle, nämlich zu der Sorte von Menschen, die eine engstirnige Form des Purismus praktizieren, indem sie die Entwicklung von Künstlern, die nicht ihren vorgefertigten Maßstäben entspricht, verdammen. Zudem wollen sie sie keinesfalls mit anderen teilen, sondern in ihrem klebrigen Spinnennetz des solitären Inditums für immer für sich behalten. Sollte irgendwann einmal kommerzieller Erfolg oder Stiländerung in Richtung des sauronischen Mainstreams eintreten, dann muss ein solches Vergehen natürlich mit abschätzigen Vergleichen und „Ich mochte ja die frühen Sachen“-Kommentaren bestraft werden. Um Himmels willen, was soll nur geschehen, wenn Leute, die Springsteen mögen auch noch Bright Eyes mögen. Da muss man sich natürlich sofort darum kümmern, einen neuen obskuren Indi-Act zu finden, der den Platz des schmählichen Verräters einnehmen kann. Deine Kritik am Album sei Dir unbenommen (ich kenne es ja noch gar nicht), aber die Art und Weise, wie Du sie in Teilen begründest, finde ich zum Erbrechen schlimm.

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Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.