Re: Blues

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blues-pfaffe

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Bluessänger sind eigentlich keine Mangelware. Oder vielmehr doch: Denn heut definieren sich die meisten Bluesmusiker zuerst über ihr Instrument und das Singen gibt’s quasi als Zugabe hinzu. Richard Carr will dabei nicht mitspielen. Auch wenn er eine mehr als einprägsame Gitarre spielt. Er sieht sich in der Tradition der Bluessänger, die vor allem mit ihrer Stimme Geschichten erzählen. Aus früher Zeit kann man hier etwa an Bessie Smith erinnern. Heute steht etwa Eb Davis an seiner Seite.

Dabei hatte er sicherlich niemals geplant, Bluessänger zu werden. Seine ersten musikalischen Erlebnisse hatte er mit klassischer lateinischer Kirchenmusik in der örtlichen Klosterschule. Später erhielt er dann Gitarrenunterricht und sammelte Erfahrungen in Chor und Band der nahegelegenen Baptistengemeinde. Schließlich kamen noch Jazz und Swing zu den Einflüssen hinzu. Carr wollte eigentlich ein Crooner werden wie Dean Martin oder Tony Bennett. Und auch das hört man seinen Liedern an.

Was er auf seinem Debüt „Tell Everybody“ macht, ist klassischer Blues im besten Sinne. Hier klingt alles so, als könnten die Lieder seit den 50er oder 60er Jahren in einem Archiv geschlummert haben, als hätte es die britische „Invasion“ überhaupt nicht gegeben. Carr erzählt mit seiner Stimme Geschichten, die von vorn bis hinten Ehrfurcht vor der großen Schule des amerikansichen Songwritings haben, die man heute zu schnell mit „Tin Pan Alley“ verspotten zu können glaubt. Seine Lieder swingen und wecken die Sehnsucht nach den Lichtern der Großstädte zu einer Zeit, als diese noch Glamour und nicht Verfall signalisierten. Das ist so elegant wie ein Cadillac und so neumodisch wie ein liebevoll designter Röhrenverstärker.

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