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ich habe ja gesagt, dass ich was zum oasis-konzert vom donnerstag schreiben würde. muss aber noch die richtigen worte finden (die wollen wohlüberlegt sein). stelle vorerst mal die besprechung der neuen zürcher zeitung hier rein, die triffts nämlich ganz gut.
NZZ4. Februar 2006, Neue Zürcher Zeitung
Liebreiz und HärteDie Britpop-Gruppe Oasis in Winterthur
ubs. Das Konzert war ganz okay. Vielmehr kann man von Oasis nicht mehr erwarten. Vorbei sind ja die Jahre, als die Formation aus Manchester der Welt vormachte, wie eine poppige Gitarrenband zu klingen hat. Und vorbei sind zum Glück auch jene Zeiten, in denen man froh sein durfte, wenn die beiden Bandleader, die Brüder Noel und Liam Gallagher, ein Konzert gemeinsam zu Ende führten. Unterdessen scheinen sie so weit gereift, dass sie nüchtern-solide Auftritte hinzulegen vermögen wie am Donnerstag in der ausverkauften Eulachhalle Winterthur – neunzig Minuten Rock’n’Roll mit einigen Höhepunkten und kaum nennenswerten Abstürzen.
Beachtlich zunächst der kompakte Sound in dieser akustisch heiklen Umgebung – das spricht für die Routine der Oasis-Crew. Natürlich passt das sogenannte Eulach-Echo ohnehin nicht schlecht zum Klangideal dieser Britpop-Gruppe. Dass die Wucht verzerrter Gitarren und schweres Klanggeschiebe eingedämmt werden durch simple Rhythmen und Melodien, das ist hier Methode. Und so kam die sechsköpfige Gruppe – Ringo Starrs Sohn Zak Starkey am Schlagzeug – auch mit der problematischen Akustik gut zurecht.
Wo der schleppende Beat Liam Gallagher Zeit liess, tief Atem zu holen beim Singen, da kamen die coolen Briten am Donnerstag am besten an. Man kann das erklären. Das Oasis-Publikum teilt sich in zwei radikal verschiedene Parteien: hie die Männer, da die Frauen. Erstere sehen in den Gallaghers richtig fiese Rocker-Idole, die gut auf einen Töff passen würden und allzeit bereit scheinen, einem Rivalen eins über die Rübe zu hauen; wer sich etwas auskennt an Konzerten, merkte in der Eulachhalle, dass sich der männliche Oasis- Fan, meist muskulös oder sonstwie gewichtig, durch seine Idole dazu inspirieren lässt, rüpelhaft aufzutreten. Für die Frauen hingegen zählt nur der Liebreiz dieser burschikosen Naturen – und mithin die brünstigen Töne ihrer Gesänge. Wann immer sich Liam Gallagher aber zum Mikrofon neigte, um Wut, Schmerz und Begehren aus rauer, kratzender Kehle zu stossen, mischten sich Härte und Zartgefühl. Und also herrschte im Publikum so etwas wie Gleichberechtigung.
Deshalb mochten originelle Songs wie «Mucky Fingers» oder «The Importance Od Being Idle» des neuen Albums «Don’t Believe The Truth» zwar das Herz des einen oder anderen Musikfreaks höher schlagen lassen. Und fadengerade Nummern wie «Rock’n’Roll-Star» brachten wohl einige Macker aus dem Häuschen. Aber allgemeine Begeisterung erntete Oasis eben fast nur mit alten Schlachtrössern wie «Morning Glory», «Champagne Supernova». Und Weihnachten war allein in «Wonderwall».
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