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Ich habe Element of Crime das erste Mal live 1994 auf Ihrer Weißes-Papier-Tour im Kölner E-Werk gesehen. Damals hatten EoC gerade mehr Popularität erlangt, und man konnte Ihnen auch anmerken, dass sie die (wahrscheinlich) sprunghaft gewachsene Publikumsresonanz nicht gewohnt waren. Musikalisch ließ das Konzert nichts zu wünschen übrig. Es wurden viele Songs von „Weißes Papier“ und „Damals hinterm Mond“ gespielt, aber auch die englischsprachigen Songs waren noch ein fester Bestandteil der Setlist, genauso wie Surabaya Johnny, das sie über Jahre immer live gespielt haben. Ich finde es übrigens schade, dass die Songs vor „Damals hinterm Mond“ heute auf den Konzerten so selten gespielt werden. Die letzte englischsprachige Platte „Ballad of Jimmy and Johnny“ finde ich z.b. musikalisch ziemlich stark; ich höre sie heute noch gerne und irgendwie ist für mich dieses Album und nicht „Damals…“ das „erste“ ihrer musikalisch erfolgreichen Phase im typischen EoC-Sound.
Sven Regener war an jenem Abend hackedicht; zumindest schien es mir so. Er sagte den ganzen Abend nichts anderes als immer wieder „Danke“ (bis auf ein „Kölner!“ zu Beginn des Konzerts) zum Publikum Das war zwar in seiner Ironie ganz witzig, aber auf Dauer auch etwas ermüdend. Das E-Werk war relativ gut gefüllt, aber meines Wissens nicht ausverkauft. Man konnte sogar Bier bei den immer wieder durchs Publikum flitzenden Kellnerinnen bestellen. Auch hatte ich das Gefühl, dass das Publikum noch nicht so richtig wusste, wie man sich bei einem EoC-Konzert verhalten sollte. Ich weiss noch ganz genau, dass sich die Leute fast gar nicht trauten, die Songs mitzusingen. Meisten würden sie nur geflüstert oder gemurmelt.
All das kam mir in den Sinn, als ich am Sonntagabend das Kölner Palladium betrat und dabei vorher noch einen Blick auf das direkt gegenüberliegende E-Werk fallen ließ. Wie die Zeit vergeht! Und als ich am Merchandising-Stand EoC-Fanshirts mit dem Aufdruck „Too old to die young“ sah, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen.
Als EoC nach der Vorgruppe endlich die Bühne betraten, fiel mir der Unterschied zu damals in dem viel selbstbewußteren Auftreten auf. Sven Regener war tatsächlich in der Lage, richtig mit dem Publikum zu sprechen ;-). Richtig überrascht hat mich, dass einige Songs von „Mittelpunkt“ und den neueren Alben erst live so richtig bei mir gezündet haben. Auch wenn hier im Forum gesagt wurde, dass sich die Songs wie die Albumversionen anhören, sind für mich live erst Nuancen deutlich geworden, die mich die Lieder mit ganz anderen Ohren haben hören lassen. Was vorher eher belanglos erschien bzw. eine Wiederholung bekannter Bandmotive (besonder auf „Mittelpunkt“), entfaltete nun einen ganz eigenen Reiz. Das Palladium schien mir restlos ausverkauft zu sein; jedenfalls war es voll und wir standen ziemlich dicht gedrängt. Hatte ich beim 94-Konzert noch das Gefühl, eine Gruppe zu sehen, die gerade erst vom Publikum entdeckt worden war und sich selbst auch noch die Popularität gewöhnen musste, so wurden EoC am jetzigen Abend regelrecht abgefeiert und genossen den Ruhm sichtlich. Auch wenn Regener immer wieder triumphierend die Faust hob, kaufe ich ihm nicht ab, dass diese Geste nur ironisch gemeint war. Hier trat eine Gruppe auf, die es geschafft hatte, deren Alben und Songs im Laufe der Zeit zu Klassikern geworden waren. Und das Publikum traute sich jetzt sogar mitzusingen ;-).
Das Abschlussstück „Across the Universe“ war für mich das Sahnehäubchen auf einem intensivem Konzert. EoC gelang es, eine hypnotische Stimmung zu erzeugen, die einen richtig packen konnte. Regener hätte noch hundertmal „Nothings gonna change my world“ singen können. Perfekt!
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I´m crazy, but I get the job done.