Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II)

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Fando y Lis
(Regie: Alejandro Jodorowsky – Mexiko, 1967)

Das junge Paar Fando und Lis begibt sich auf die Suche nach der mythischen Stadt Tar, wo sie ewiges Glück zu finden hoffen. Mit ihrem einzigen Besitz, einer Trommel und einem Grammophon, im Gepäck, durchstreifen sie eine karge Hügellandschaft, die bizarre Gestalten beherbergt…

Alejandro Jodorowskys erster abendfüllender Film in s/w entstand unter katastrophalen Produktionsbedingungen (gedreht wurde meist am Wochenende) und gipfelte in einem Aufruhr anlässlich seiner Premiere 1968 beim Acapulco Film Festival.
Komplett missverstanden und durch obskure Vampirismus-Gerüchte befeuert (angeblich bestand Jodorowsky darauf, seiner Hauptdarstellerin in einer Szene echtes Blut abzuzapfen), wurde der Film schließlich in Mexiko verboten.
Im Vorfeld fragte ich mich, ob ein Jodorowsky-Film, dem die Farbe fehlt, überhaupt eine ähnliche Wirkung wie „El Topo“ oder „The Holy Mountain“ haben kann, diese Bedenken wurden aber schon in den ersten Minuten von „Fando y Lis“ zerstreut. Jodorowsky ist ein Meister der einprägsamen Bilder, der trauminspirierten Filmleinwandmalerei und bringt auch hier wunderschöne und einzigartige Szenen zusammen, wobei man jedoch nie vergessen sollte: Jodorowskys Welt ist (bei allen Wundern und aller Schönheit) eine grausame Welt. Der Tod ist ein zentrales Thema, immer begleitet von Gewalt und stellenweise Wahnsinn.
Man findet in „Fando y Lis“ einige Ideen, die der Regisseur und Psychomagier später nochmals in „El Topo“ und „The Holy Mountain“ verwendet, etwa die Vögel, die beim Tod eines Menschen den Brustkorb verlassen – Teil einer albtraumhaften Beerdigungszene, die wohl direkt den Untiefen des unruhigen, nächtlichen Schlafs entsprungen ist.
„Fando y Lis“ besitzt sicherlich nicht die Wucht der folgenden Filme, ist für sich gesehen aber eine wahre Perle, ein kleines Meisterwerk, das ich jedem ans Herz legen möchte, der sich auch nur halbwegs auf Jodorowsky einlassen kann.

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