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otisIch schicke noch mal voraus: „Wert beimessen“ heißt für mich nicht unbedingt Geld, es kann auch die unendliche Mühe sein, sich etwas zu beschaffen, das ewig lange, unerfüllte Warten sein, bis man etwas bekommt, oder auch die intensive Arbeit, sich einem Musikstück anzunähern.
Selbstverständlich ist das auch ein Wert. Weswegen ich oben von Sammler-Wert geschrieben hatte, der ist in Geld anzugeben. Der individuelle Wert oder wenn man so will „individuelle Sammler-Wert“ „berechnet“ sich dann, wie Mikko geschrieben hat, aus Geldaufwand und persönlichen Aufwand.
otis
Ich werde jetzt noch mal persönlich:
Ich habe mir viele Jahre meines Lebens Mozart erarbeitet (nachdem ich ihn als junger Erwachsener zunächst völlig abgelehnt hatte), einiges an Geld ausgegeben, aber nicht viel, das Wichtigere war die Arbeit, die ich mir mit ihm gemacht habe. Seine Musik hat für mich dadurch einen sehr großen Wert bekommen. Meine Wertschätzung ihr gegenüber drückt sich aber nicht in besonders vielen oder seltenen Platten oder CDs aus.
Warum ärgern mich schlechte Artikel, die derzeit zuhauf zu lesen sind, dumme Fernsehsendungen, die es geben soll? Dabei habe ich überhaupt kein Problem damit, wenn jemand Mozart nicht mag, nicht kennt, nicht kennen will… Ich habe aber offenbar ein Problem damit, wenn sich jemand, der sich kaum mit ihm beschäftigt hat, mit ein paar Worten in Feuilleton-Manier seiner bemächtigt und Urteile erlaubt. Es kommt mir dann respektlos vor.
Klar, aber das ist ja ein allgemeines Problem, dass sich Leute wie Journalisten verhalten und im besten Fall nur unzureichend informiert Statements abgeben.
otis
Ein anderes Beispiel: Wie man weiß, suche und „sammele“ (aber nicht um des „Sammelns“ willen) ich Singles, seltene und weniger seltene, nur jene, die ich von der Musik her toll finde oder toll finden könnte. Manche bekomme ich erst nach Jahren, manche nie, die eine oder andere fällt mir wie ein kleiner Lottogewinn in den Schoß. Finde ich nun eine Single, die ich schon lange suche, deren Musik nirgendwo sonst aufzutreiben ist, die nicht digitalisiert ist, die aber auch für andere von Interesse ist, möchte ich die Musik erst einmal nicht teilen. Auch wenn ich kann, ich würde sie nicht digitalisieren, und wenn, dann nur für Menschen, von denen ich weiß, dass sie dieser Musik (resp. Single im Hintergrund) großen Respekt entgegenbrächten und die nicht nach einer halben Minute „reinhören“ schon wissen, „ach nein, ist nichts, brauche nicht, was spinnt der Otis wieder rum“ oder umgekehrt „toll, geil, superrar etc.“ Warum ist das so? Bin ich deshalb egoistisch, arrogant, ein Kameradenschwein, ein Spinner, ein „penetranter Prediger“? […]
Ich hoffe, das sagt keiner.
Ich ziehe mal den Vergleich zu mir (Singles habe ich zwar wieder, aber Sammeln kann man das nicht nennen … :wave:): ich würde meine Comics auch nicht gegen digitale Bilder eintauschen (das Netzt ist ja inzwischen auch voll davon), aber dass ich mir gelegentlich einmal einen Comic digital herunterlade, um ihn durch- oder anzulesen (bezieht sich auf Reihen, die komplett gekauft viel Geld verschlingen würden), um mir eine Meinung bilden zu können. Das ist mit einer Single, deren Anhören ja nicht solange dauert, etwas anderes.
@db 30 Semester Germanistik? Merkt man, ganz toll zusammengefasst :sonne: Zustimmung.
In dem Zusammenhang noch eine Anmerkung zu den MP3s, die indirekt auch etwas mit dem Wert zu tun hat: es ist inzwischen ja wesentlich einfacher Musik aufzunehmen (auch zu machen) und zu „vertreiben“, da reicht ein handelsüblicher Computer aus. Es gibt also mehr Musik, sicherlich auch verhältnismäßig mehr Schrott, aber Artic Monkeys hin oder her, eben auch mehr Chancen für jemanden der wirklich gut ist. Diese „MP3-Revolution“ halte ich schon für etwas Positives (was den oben erwähnten Aspekt angeht), wie generell das Netz demokratische Elemente verstärkt hat.
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If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.