Startseite › Foren › An die Redaktion: Kritik, Fragen, Korrekturen › Das aktuelle Heft: Lob und Tadel › ROLLING STONE November 2005 › Re: ROLLING STONE November 2005
Joachim HentschelDas wundert mich nur deshalb, weil der Rolling Stone eigentlich immer so war wie heute, oder? War der früher mal wesentlich gewagter?
Ich habe keine Lust, mich jetzt durch die alten Hefte zu wühlen, in meiner subjektiven Wahrnehmung war die Themenwahl schon ausgewogener. Am Beispiel des neuen Heftes: Dylan, Concert for Bangladesh, McCartney, Kate Bush, Bo Diddley etc. „Alte Meister“ wäre so langsam auch ein passender Titel für das Blatt. Ein muffiger Gesamteindruck lässt sich da nicht verleugnen. Ich merke das auch daran, dass ich euer Heft immer selektiver und lustloser lese.
Joachim HentschelDer Eindruck, dass der Rolling Stone vor allem die etablierte Musik präsentiert, also das, was alt ist oder schon beim Erscheinen einen gewissen, vom Experten verbürgten Ewigkeitswert hat (so à la Bright Eyes: großer Songwriter, schon jetzt zeitlos etc.), dieser Eindruck trifft ja völlig zu. Ja, das ist die Zielgruppe. Und trotzdem bekommt Clapton keine gute Kritik bei uns.
Das ist aber auch eine bigotte Einstellung. Einerseits ein Zielpublikum zu bedienen, um ihnen an anderer Stelle vors Schienenbein zu treten. Ich weiss zwar, worauf du hinauswillst (eine kritische Haltung zu den alten Heroen bewahren etc.), aber wäre es da nicht sinniger, Begeisterung für Newcomer oder weniger bekannte Bands zu wecken, sprich: Alternativen aufzuzeigen. Vielleicht ist es naiv, davon auszugehen, aber darin sehe ich doch u.a. die Aufgabe eine Musikmagazins.
Joachim Hentschel
Allerdings, und das schreibe ich jetzt als reiner Leser (und nicht als Redakteur): Eine langweilige schwedische Garagenband oder eine tränenreiche College-Slow-Mo-Popband finde ich nicht automatisch besser oder interessanter oder an sich POPPIGER oder irgendwie NEUER, nur weil die Bands jung sind oder Studenten mit den T-Shirts rumlaufen oder sich das beim DJ wünschen, um hinterher langweilig drauf zu tanzen.
Man muss ja nun nicht gleich wieder mit dem Extrem kontern. Natürlich müsst ihr nicht das Themenspektrum der Intro- und Spex-Leser abdecken. Es geht doch eher darum, sich offen weniger etablierten Bands zu stellen, die thematisch auch zur RS-Leserschaft passen. Ich glaube, dass ihr eure Leser für verkrusteter haltet, als sie es sind. Nein, ihr müsst nicht über irgendwelche Noise- , Punk- und Avantgarde-Bands schreiben, die vielleicht sonst angesagt sind, aber vielleicht über unbekanntere Sachen, die ihr schätzt, die ihr in eurer Editors-Playlist ausstellt, aber nicht im Heft stattfinden lasst. Teilt doch eure Begeisterung dafür, widmet ihen doch auch mal den gebührenden Platz und ein mehrseitiges Interview und von mir aus auch mal einen eigenen RS-Hype, wenn es euch angebracht erscheint.
Joachim Hentschel…..Was da draußen wirklich passiert mit der Musik, das steht doch nirgends. Das ist meiner Meinung nach das eigentlich Problem.
Da kann ich dir nur zustimmen. Aber auch in diesem Punkt war der RS nach meinem Empfinden schon mal näher dran. Nicht umsonst haben mir die thematisch weitgefassteren Artikel im Heft immer am meisten gefallen.
Trotzdem vielen Dank für deine Stellungnahme. Ich hoffe, dass du meine Antwort nicht persönlich nimmst, das würde nämlich den falschen treffen. Es geht eher um die prinzipielle Ausrichtung des Hefts.
PS. Der neuen Broken Social Scene würde ich bisher auch nur **1/2 geben.
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Wake up! It`s t-shirt weather.