Re: ROLLING STONE November 2005

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joachim-hentschel

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Beiträge: 453

NiteOwlich mach mir doch nur Sorgen um eure Zukunft…

Die letzten Hefte sind aus meiner Sicht vielleicht ausreichend, um langjährige Abonennten bei der Stange zu halten, für mich als Gelegenheitskäufer ist da aber garnix reizvolles mehr dabei. Plattenkritiken kann ich im Laden in 3min überfliegen – der Rest ist für mich irrelevant. Nun weiss ich nicht, wie euer anvisiertes Zielpublikum sich zusammensetzt und was ihr von eurem Heft erwartet – ich fühle mich jedenfalls von Ausgabe zu Ausgabe weniger angesprochen, das ist alles…

Das wundert mich nur deshalb, weil der Rolling Stone eigentlich immer so war wie heute, oder? War der früher mal wesentlich gewagter? Eher im Gegenteil, ein Titelblatt wie Libertines oder Art Brut wären zur Hamburger Zeit (also bis vor drei Jahren) aus verschiedenen Gründen undenkbar gewesen.
Das schreibe ich jetzt aber nicht als Entschuldigung, denn: Der Eindruck, dass der Rolling Stone vor allem die etablierte Musik präsentiert, also das, was alt ist oder schon beim Erscheinen einen gewissen, vom Experten verbürgten Ewigkeitswert hat (so à la Bright Eyes: großer Songwriter, schon jetzt zeitlos etc.), dieser Eindruck trifft ja völlig zu. Ja, das ist die Zielgruppe. Und trotzdem bekommt Clapton keine gute Kritik bei uns.
Allerdings, und das schreibe ich jetzt als reiner Leser (und nicht als Redakteur): Eine langweilige schwedische Garagenband oder eine tränenreiche College-Slow-Mo-Popband finde ich nicht automatisch besser oder interessanter oder an sich POPPIGER oder irgendwie NEUER, nur weil die Bands jung sind oder Studenten mit den T-Shirts rumlaufen oder sich das beim DJ wünschen, um hinterher langweilig drauf zu tanzen. Andere Magazine, die einen jüngeren Ansatz haben und die ich gerne lese, haben mich in den letzten Jahren oft sehr enttäuscht, weil man sich auf deren Titelbilder irgendwie auch nicht mehr verlassen kann. Wahrscheinlich muss man regelmäßig „Wire“ lesen, um wirklich die Sachen zu finden, die ganz weit vorne sind.
Und was „Pop“ angeht: Die deutsche Musikpresse (natürlich inklusive Rolling Stone!!) besteht zu 90% aus Plattenbesprechungen und monothematischen Künstlerporträts, die auf der Basis von Interviews geschrieben werden, die Monate vor Erscheinen einer Platte geführt werden. Was da draußen wirklich passiert mit der Musik, das steht doch nirgends. Das ist meiner Meinung nach das eigentlich Problem.

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"Käpt'n, ich glaube, wir bekommen Besuch!"