Re: Guilty Pleasures

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latho
No pretty face

Registriert seit: 04.05.2003

Beiträge: 37,711

Na gut, dann lege ich mal los (unsortiert und nicht gelistet):

Save the Last Dance (Thomas Carter, 2001)
Julia Styles kommt als braves Mädchen und Ballettänzerin in ein schwarzes Ghetto. Und es passiert nicht das, was all die Gangsta-Rapper vorhersagen würden. Julia verliebt sich in einen Jungen (schwarz), tanzt im Club (ziemlich heiß) und liefert eine tolle Vorstellung bei der Tanzschulenbewerbung (mit Hip-Jop-Ballet!). Das alles hätte auch einen schlechten Geschmack hinterlassen können (Weiße sind die besseren Schwarzen), tut’s aber nicht und das liegt auch an Styles, einer der besten Schauspielerinnen ihrer Generation. Ein Film für kleine Mädchen wie mich.
Apropos kleine Mädchen:

Mean Girls (Mark Waters, 2004)
Tina Feys Geschichte über den Machtkampf zweier High-School-Bitches (besser als alle Filme über Politik). Rachel McAdams spielt super zickig die Super-Zicke und Lindsey Lohan ist erdig und abgeklärt wie ein später Robert Mitchum mit mehr Haaren.
Und wo wir bei Mädchen-Filmen sind, hier eine Jungen-Phantasie:

The Girl Next Door (Luke Greenfield, 2004)
Elisha Cuthbert als Porno-Star in der High School. Und nein, es ist keine Verwechselung wie bei Disney, sie ist es wirklich. Emile Hirsch ist klasse und Timothy Olyphant als manischer Zuhälter eine Charisma-Wucht. Zudem: statt eines der üblichen formelhaften Enden zu benutzen, klebt der Film drei hintereinander (ohne dass es stört).
Weiter mit:

Gunga Din (George Stevens, 1939)
Gunga Din, der Wasserträger aus Kiplings Gedicht rettet seinen weißen Herren den Hintern und stirbt dafür. Kein Wunder, dass der Film damals nur Weißen gezeigt wurde… Aber ganz toll: Cary Grant (noch mit Cockney-Akzent) marschiert unbewaffnet unter die Kali anbetenden Thugs und nimmt alle fest „You’re all under arrest!“.
Apropos Nicht Funktionieren:

2001: A Space Odyssey (Stanley Kubrick, 1968)
Ganztollerfilmirrertripwichtigebeobachtungenüberdiemenschheitblabla – ich hab den Film nie verstanden und das Ende mag ich auch nicht. Aber diese wunderbare Walzer-Szene, in der die zwei Raumschiffe Sex haben, die sehe ich mir immer gerne an.
Zum Thema unnatürlicher Sex:

The Lair of the White Worm (Ken Russell, 1988)
Schlangenfrau Amanda Donohoe verführt einen braven Hugh Grant und will eine wie üblich ausdruckslose Catherine Oxenberg opfern. Angesichts kaum vorhandener Produktionsmittel (zumindest sieht der Film so aus) kann Russel keine Kameratricks vorführen und das ganze sieht aus wie ein verkrachter Fernsehfilm. Und ist (ich denk mal absichtlich) düster-komisch.
Apropos komischer Ken Russel:

Whore (Ken Russell, 1991)
Russel der Komische stellt Russel die Göttliche ein und dreht ein „realistisches“ Remake von Pretty Woman. Theresa Russel stöckelt durch die Handlung und kommentiert Zuhälter, Freier und sich selbst (als – natürlich – anständige Frau, die das alles nur für ihr Kind macht).
Nochmal anständige Frauen:

Desert Hearts (Donna Deitch, 1985)
Helen Shaver ist eine Professorin, die auf einer Ranch in Nevade eigentlich nur schreiben will, aber statt dessen im Bett von Patricia Charbonneau landet. Wunderschönster Lesbenfilm aller Zeiten und so gut, dass Shaver und Charbonneaus Karrieren erstmal vorbei waren.
Zum Thema gut Aussehen:

Glen or Glenda
(Ed Wood, 1953)
Ich bin ja nicht der einzige, der den Film mag (hallo Hank!), trotz aller Vorhersehbarkeit in so einer Liste: Wood machte Filme. weil er sie liebte, ganz offensichtlich nicht, weil er es konnte. Und das ist eigentlich gar nicht komisch, Eds Filme sind tragische Monumente des Scheiterns. Am direktesten hier in Woods „Aufklärungsfilm“ über seinen Transvestismus, eigentlich ganz bieder aber deutlich eine Herzensangelegenheit. Bis Bela Lugosi auftaucht (und ganz nebenbei auch der bedröhnteste Schauspieler vor der Kamera bis Dennis Hoppers Last Movie bleibt), den mad scientist abgibt und dem Film so ins Surreale dreht, dass er unvergesslich wird.
Apropos Surreal (und eigentlich nicht in dieses Forum gehörend):

Dawson’s Creek (Kevin Williamson, 1998 – 2003)
Die Fernsehserie mit dem surrealsten Hintergrund (ja, noch vor dem Eingang zur Hölle, der unter einer US-Kleinstadt liegt): Teenager, die schon vor der Pubertät über alles Bescheid wissen. Pacey der Sozialversager, der aber trotzdem zum Schluß das Mädchen bekommt. Joey, immer labernd, manchmal weinend und soooo cute. Jen, deren Ankunft die Story beginnt und deren Tod sie beendet. Dawson mit der riesigen Stirn, der so gern Spielberg wäre, bei dem es aber nur zu Kevin Williamson reicht.
Viel Leerlauf aber einige tolle Folgen (fast immer mit Holmes und Jackson): Dawsons Vater wird begraben. Joey und Pacey haben zum ersten Mal Sex. Andie (die großartige Meredith Monroe) wird verrückt und sieht ihren toten Bruder. Und dann: Joey und Pacey halten an der Steilküste und streiten sich vor dem Wagen. Wie üblich labert Joey, bis Pacey sagt “ I don’t want to talk anymore.“ und sie küsst. Hach … :liebe_2:

Ich habe ein paar vergessen: Rafelsons Black Widow oder den Bond-Film Octopussy. Außerdem habe ich europäische Filme vergessen: das Fliegende Klassenzimmer mit Blacky Fuchsberger zB., Dario Argentos Tenebrae oder Sophie Marceau als La Fille de d’Artagnan.

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If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.