Re: Paul McCartney ∙ Chaos And Creation In The Back Yard

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marcuse

Registriert seit: 09.09.2005

Beiträge: 16

Also Typen, die sich in Internetforen zu Professoren für Gitarre, Schlagzeug, Rhythmik, Basspiel, Produktion, Fotographie und Layout in Personalunion aufspielen, die vermutlich auch einen Doktor in Physik, Literatur sowie Medizin und griechisch Kochen besitzen und womöglich noch den Bootsführerschein für alle Klassen ihr Eigen nennen- solche Typen sind mir aus unerfindlichen Gründen immer schon suspekt gewesen.

Tatsächlich hat Nigel Godrich darauf bestanden, dass McCartney alle Instrumente selbst einspielt. An McCartneys Gitarrenspiel was akustische Begleitung angeht gibt es überhaupt nichts zu deuteln und bei der ganzen Sache geht es auch nicht um Technik, oder irgendwelche Poser- und Proll-Soli , sondern darum ein Gefühl und eine Atmosphäre zu erzeugen. Einen kreativen Prozess in Gang zu setzen einen bestimmten Sound einzufangen.

Das beste Beispiel sind die Beatles, die einen Schlagzeuger namens Ringo Starr hatten, sowie die beiden Gitarristen Harrison und Lennon, die nun wahrlich nicht technisch perfekt waren.
Trotzdem haben sie diesen einzigartigen Sound zusammen kreiert.
Niemand könnte z.B. zu „A day in the life“ ein schöneres Schlagzeug einspielen, als Ringo es getan hat. Es ist perfekt.

In der Kunst geht es nie um technische Perfektion. Es geht darum Atmosphären zu kreieren und genau das haben Godrich und McCartney auf Chaos zumindest teilweise geschafft.

Wie beschissen klang bitte dieses Album „Tug of War?“ oder welches auch immer es war, dass nur mit Berühmtheiten und Virtuosen eingespielt wurde?

Wieviele Alben von Solokünstlern werden durch technisch perfekte Studiomusiker komplett ruiniert, die niemals auch nur ansatzweise den besonderen Sound einer guten Band mittelmässiger Instrumentalisten rekonstruieren können?

Die Beispiele sind zehntausendfach zu finden. Die meisten Studiomusiker haben einfach überhaupt kein Feeling für das was sie machen. Das ist was letztlich Kunst von Handwerkertum unterscheidet.
Die besten 10 Instrumentalisten der Welt könnten niemals die Magie von „A day in the life“ einfangen, könnten mit ihrer Kunstfertigkeit niemals den göttlichen Moment beschreiben, in dem eine Band einen einzigartigen Sound erschafft.
Ein virtuoses Piano-Solo können dir hunderttausende spielern. Aber einen Sound kreieren das können nur ganz wenige. Und darum ist es Godrich gegangen.
Wer über sowas hier diskutiert, der hat vom Wesen der Musik nichts begriffen.

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