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Ja, die Sachen mit Clifford Jordan gehören zum Besten von Walton! Neben „Spellbound“ und „Starting Time“ auch „Bearcat“ und dann eine ganze Reihe hörenswerter Alben aus den 70ern, u.a. „On Stage Vol. 1 & Vol. 2“ (ich hab davon bisher nur Vol. 2), „Half Note“, „Firm Roots“ (kenn ich noch nicht), „Night at Boomer’s Vol. 1 & Vol. 2“ (wovon ich die 32Jazz Compilation „Naima – Live at Boomer’s“ habe), und das sehr schöne „Night of the Mark VII“ (Muse/32Jazz CD). Einiges davon (v.a. „Half Note“, bin mir nicht sicher wegen „On Stage“, müsste ich mal wieder auflegen) ist nicht gerade in Hi-Fi-Qualität, so als kleine Warnung… aber das ist eh alles äusserst authentische, lebendige Musik, da stört mich der „Dreck“ in den Aufnahmen auch eher weniger.
Walton und Jordan spielten übrigens auch gemeinsam in einer tollen Gruppe von J.J. Johnson (mit Freddie Hubbard, Arthur Harper und Albert Heath, zu hören auf „J.J. Inc.“, 1960).
Nach Jordan holte sich Walton den Tenoristen Bob Berg an Bord, auch mit ihm entstande ein paar sehr hörenswerte Aufnahmen.
Was mich zu guter letzt zum Kollektiv Eastern Rebellion führt… auf dem ersten Album spielt George Coleman am Tenor, ab dem zweiten Album dann Bob Berg, später stösst u.a. Curtis Fuller mal noch dazu, Bass spielten ursprünglich die damaligen Jordan/Walton-Sidemen Sam Jones und Billy Higgins, später dann David Williams am Bass und noch später Ralph Moore am Tenor- und Sopransax.
Diese ganze Liste (nebst den tollen Blakey-Aufnahmen, versteht sich), verdeutlicht mir mal wieder, dass Walton eigentlich eben doch ganz tolle Sachen gemacht hat und selber dabei auch stets eine gute Figur macht!
Den Vergleich mit Evans und Tyner finde ich übrigens etwas weit hergeholt. In die Evans-Schule (so es die dann gab) gehört Walton ganz und gar nicht, und Tyner, der war vielleicht ein klein wenig früher auf der Szene und bestimmt (neben Herbie Hancock und dann Chick Corea und Keith Jarrett) einer der zentralen Einflüsse, aber ich würde jetzt mal behaupten, dass Walton von anderswo herkommt… er spielt „klassischer“, „boppiger“, „sauberer“ – das sind alles blöde Worte, aber ich würde mal vermuten dass er eher aus der Bop-Piano-Ecke kommt (Barry Harris, Al Haig etc) und sich daraus einen Stil gezimmert hat, der durchaus mit den härteren Gangarten von Blakey kompatibel war (eine Prise Funk, von Timmons, Kelly etc?). Jordan seinerseits ist ja trotz seinem robusten Sound einer der lyrischsten Tenorsaxer jener Zeit, da find ich Walton irgendwie auch den idealen Pianisten.
Das ist jetzt etwas lang geworden, und ich kann zu keinem der erwähnten Alben spontan eine kurze Rezension schreiben, aber sie würden fast alle in diesen Thread passen, da meiner Meinung nach Clifford Jordan, Walton nicht (und leider mittlerweile wie mir scheint auch J.J. Johnson nicht mehr) mit der Aufmerksamkeit bedacht werden, die sie eigentlich verdient hätten. Dasselbe gilt notabene für George Coleman, der zwar ein Licks-Musiker war, aber auf diesem Gebiet einer der allerfeinsten!
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #162: Neuentdeckungen aus dem Katalog von CTI Records, 8.4., 22:00; # 163: 13.5., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba