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kramerNein, ganz so einfach ist es nicht. Ich erkenne da eher eine diffuse Stimmung, die schon bei den Walker Brothers zu hören war, die fast das komplette Werk durchzieht und in immer düsterer Form auch auf den letzten Solo-Alben auftaucht.
Ich habe mich immer gefragt, ob da nicht die Vermutung nahe kommt, dass Walker den Bruch zu seinen Anfängen nicht nur konsequent, sondern vor allem mit aller Radikalität vorantrieb. Klar, das was sich als Grundstruktur ausmachen lässt, durchzieht letztlich das ganze Werk, von „My death“ bis zu „Epizootics!“. Es ist allerdings schon bezeichnend, das ein Künstler, der die mitunter schönsten Melodien und ausgefeiltesten Arrangements formulieren konnte, diese in Trockeneis einlagert und davon nur eine kleine Pulverbrise in späteren Jahren dazustreut. Es gibt ja im klassischen Sinne keine „Songs“ mehr, mehr sind es mal organische, mal vollständig zerklüftete Gebilde, die sich um die Texte entwickeln. Und auch für die gilt: Sie sind eben nicht ausformuliert. Weg von der flüssig verfolgbaren Geschichte, hin zum elliptischen Kreisen um einzelne Worte. Und so sind ja auch die Kompositionen selbst – oftmals mehr Texturen, kahle Klanglandschaften, aus denen irgendwo etwas herausragt und voller Toteislöcher, in denen man versinken kann. Ich glaube, es fällt schwer, „Tilt“ und noch mehr „The drift“ mehr als Abneigung entgegen zu bringen, wenn man die Thematiken dahinter außer Acht lässt – denn im Grunde sind es schon fast, ja, moderne „Hörbücher“. Nur besser. Und weitaus intensiver.
Ich frage mich, ob Walker mit derlei musikalischen Dekonstruktionen nicht auf lange Sicht ein Image begraben hat, das ihm letztlich nicht ergiebig genug war. Wie ein absoluter Eigenbröttler, den man zeitweise in Staffage und Schminke gepackt hat. Ich kenne leider die Werke zwischen „Scott 4“ und „Climate of hunter“ nicht, aber schon diese sind kompositorisch derart unterschiedlich, man möchte meinen, letzteres wäre das erste Album, nach einer aufgehalsten Zwangsverordnung, die sich der großen Geste und dem schönen Ton verschrieben hatte (mal die Texte ungeachtet). Weißt Du da mehr?
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Hold on Magnolia to that great highway moon