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so oder so ähnlich, könnte die Botschaft des Albums in einen Satz formuliert werden. Der Interpret dieses Konzeptalbums hat es sogar geschafft dass Werk mit einem einzigen Wort zu beschreiben: „Empyrean“
„Empyrean“ erzählt über einen Protagonisten, der sich die gesamte Zeit in Gegenteile verwickelt. Er befindet sich mal in der Rolle des Neugeborenen und dann mal wieder in der Rolle eines Sterbenden. Mal in der Rolle des Einatmers, dann in der Rolle des Ausatmers. Des Menschen der es versucht. Der nach oben strebt und des Menschen der aufgibt und sich hoffnungslos in sein Sessel vor die Glotze zurückzieht. Dem Menschen der sich Ziel nach Ziel setzt und immer wieder über sich hinaus wächst und dem Menschen der ziellos durch die Gegend irrt bis an den Tag an dem er stirbt. Himmel und Hölle eben. Ängelchen und Teufelchen. Das Proton und das Elektron.
Zuvor hatte es John Frusciante versucht, den Zuhörer in seinen atemberaubend schönen Songs, seinem erschaffenen Rockstarbild nachzueifern. Auf diesem Album ist nun Payback-Time angesagt für all die Fans die sich seiner Illusion hingegeben haben und insgeheim davon träumen, wie sie, doch auch, eines Tages mit dem gleichen Erfolg da oben stehen. Scharf im Kontrast stehend zu der herrannahenden Realität.
In diesem Konzeptalbum geht es darum den Zuhörer, der durch sämtliches Wissen, welches er sich in seiner John Frusciante-Zitadelle oder anderswo(sei es das Studium, Gespräche über Gott und die Welt, Drogen, Bücher, andere Musiker) aufgebaut hat, wissen zu lassen, dass er auf eigenen Füßen steht und selbst etwas an wahrer Wertschätzung für sich selbst gewinnen sollte und sich nicht täglich mit den wappnet was sein Ego verlangt. (Man will ja schließlich als Opa glücklich auf seine Lebenszeit zurückblicken können und nicht der verbitterte Typ sein, der den Kindern nicht den Fußball zurückgibt) Kurz gesagt ist es ein „let Go“ für die seinen Fans und darüber hinaus ein grandioses Konzeptalbum für jeden guten Zuhörer, dass einen im Leben ein Wegweiser sein kann.
Es wurde ganz anders aufgebaut als all die anderen Konzeptalben unserer Welt. Nein! Es erzählt keine tragische Suizid-Geschichte aus der Sicht des eifersüchgtigen gewalttätigen Gatten wie in „Berlin“ von Lou Reed oder die Geschichte eines aufstrebenden und zerbrechenden Rockstars wie in „The rise and fall of ziggy stardust“ von David Bowie. All diese Konzeptalben, die neben dem Schmuckstückchen welche sie darstellen, doch auch irgendwo Narben in des Zuhörers Seele hinterlassen haben. Dieses Konzeptalbum endet nicht in der Tragödie, sondern ist mit einem Happy End versehen und ist dazu trotzdem gut!
Es ist ja allgegenwärtig, dass der Mensch sobald er die Reize seiner Kindheit und natürlich seiner Pubertät ausgekostet hat, sich an den unbekannten schlimmen Ängsten und Tragödien dieser Welt, zu faszinieren scheint. Nicht umsonst verkauft sich schließlich die „Bild“-Zeitung so gut. Sie füttert uns mit negativen Dingen die von unserem Unterbewusstsein doch so unglaublich gerne an die Oberfläche gespült werden wollen. Diesen Gefallen zu widerstreben gelingt den vielen faulen Menschen unserer westlichen Kultur aber dann doch eher selten.
Dieses Album schafft es aber dennoch den Zuhörer zu fesseln, obwohl es gut ausgeht!
Nach und nach merkt man wie sich Gegensätze voneinander abstoßen. Man fiebert mit dem Protagonisten, der durch Höhen und Tiefen geht, mit. So langsam, aber ganz gewiss sicher, fängt man an, sich mit ihm zu identifizieren. Es sind die eigenen Abenteuer, durch die man in seinem eigenen Kopf reist.
Mal fühlt man sich so, als wenn man für immer lebt und dann ist es einem wieder klar, dass man sowieso stirbt. Dann erkennt man wieder, dass man im Leben nichts wirklich erreichen kann und im nächsten Moment denkt man, die Zeit tickt davon und man muss jede Sekunde seines Lebens mit guten Dingen ausfüllen (Menschen gücklich machen, Musik erschaffen, Bilder malen, Gedichte schreiben, Liebe, Kinder). Gerade dieser Kontrast ist es aber, der einen nicht wie man vielleicht denken könnte, furchtbar konfus macht. Nein! Es sind alles klare Linien. Das Leben im Kontrast betrachten. Es gibt bloß zwei Seiten einer Medaille. Genau darauf weisen selbst die Songtitel hin. (Before the beginning – After the ending und Enough of me- One more of me)
Am Ende von Song 8 fühlt man sich dann so, als wenn man durch alle Tiefen und Höhen des Lebens gegangen ist. Nun aber auf die große Weisheit wartet, die in den letzten beiden Songs von sich gegeben wird. Wie eine Schulter an der man sich ausheult, bloß weil das Leben einen eben irgendwie fehlerhaft erscheint, weil man am Ende den Tod findet, ertönt dann „One more of me“. Kurz darauf stellt er einen indirekt vor die Wahl. „One breaks things down and one builds them up“ und „whatever you create from love is a gift from the place which some call above“ sind solche Zeilen, die als Leitspruch für einen das ganze Leben lang gelten dürften, wenn man das Album intensivst unter Beschuss genommen hat. Man möchte schließlich der richtigen Seite der Medaille folgen und nicht als ein hasserfüllter Ian Curtis-Verschnitt durch die Weltgeschichte eiern. Am Schluss vom letzten Song wird man dann weggeschickt mit der Phrase „what is has always been and will always be“. Man befindet sich auf gleicher Augenhöhe mit dem Kreierer. Gedenkt nochmal der vielen großen Erfahrungen, die man gemacht hat in diesem Album(ähnlich wie den Finale von dem Song „close to the edge“ von Yes) und ist schließlich selbst bereit als ein „Empyrean“ von dannen zu gehen. Mit einer Zufriedenheit, ähnlich wie der von Siddhartha. Mit einem Selbstbewusstsein, der dem Blauton des Booklets entspricht.
John Frusciante hat mal wieder nix dem Zufall überlassen. Die Lyrics sind so direkt wie nie zuvor. Sie werden oft gesungen wie Glaubensbekenntnisse. Jedem nur annähernd spirituellem Menschen sollte dieses Album ans Herz gelegt werden.
Nach „Niandra Lades and usually just a t-shirt“ sein bestes Album!(da ich mit meinen Wörtern Einfluss auf die Person nehme, die dies liest, musste ich an dieser Stelle natürlich noch auf das, für mich, größte Album, aller Zeiten, hinweisen) Ich möchte den Neueinsteigern sagen, dass gerade eben wegen des Konzeptes dieses Album ganz anders klingt als die vielen anderen Alben von Herrn Frusciante. Schon allein zu erkennen an dem ersten Song. So wenig Momentum war noch nie in einem Song dieses Künstlers vorhanden. Bloß Sologitarre-Spielereien auf einer leicht umgeänderten Maggot-Brain Akkordkonstellation würden die ersten kurzfristig schließen. Es zeigt aber bloß einen frommen Protagonisten der den Zuhörer langsam beruhigt und auf das einstellt was danach kommt. Es will sich eben alles nahtlos ins Konzept einfügen. Nix weiter ;)
Dazu kann ich den musikbegeisterten Menschen unter euch auch sehr empfehlen zu dem Part „Light“ von „Dark/Light“(C-Moll Tonleiter) und auch zu „Central“(D-Moll Tonleiter) bißchen mit der Klampfe abzurocken. Mit der richtigen beigefügten Tonleiter geht das ab wie Schmidt’s Katze!
Besonders raffiniert gestrickt ist ja eben für Musiker der Song Dark/Light. Dark, der eher traurige Part ist in einer Dur-Konstruktion und Light, der helle fröhlichere Part in einer Moll-Konstruktion.
Des weiteren: Man muss wirklich kein Professortitel haben um das Album zu verstehen; lediglich Geduld und ein waches Urteilsvermögen, dass immer wieder Entschlüsse aus der Musik und später dann aus den Lyrics zieht, reichen aus, um die wahre Macht dieses Album wirklich zu entpuppen.
als kleine Note zum Schluss: Natürlich waren viele meiner Worte ganz eigene Empfindungen. Ein Konzeptalbum kann ja auch bei jemand anders ausschlagen als bei mir ;) Jeder macht Erfahrungen auf ganz eigene Weise, wichtig ist nur, dass man sie macht ;)
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