Re: Zeitungen

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paule

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Originally posted by Jörg König@15 Feb 2004, 21:24
@ Can

Ich kenne die Schreiber und Kommentierer zum Teil persönlich, und das nicht erst seit gestern. Und die haben vom Handelsblatt bis zur SZ, vom NDR bis zum ZDF alle Arbeitnehmerrechte zum unmittelbaren Anlass von Arbeitsplatz-Vernichtung erklärt und scharen sich jetzt (es gibt in diesem Bereich allein in meinem Verantwortungsbereich Dutzende Eintritte und keine Austritte) rückgratlos um den bisherigen Feind; nämlich die Gewerkschaft, ohne deren Hilfe sie in ihrem dummen Dasein nicht mehr weitermachen könnten – meinungsstark und geistesschwach.

Das Einkommen der Redakteure kenne ich so.

Ich stimme dir darin zu, die Verlogenheit von Redakteuren zu kritisieren, die genau das tun, was sie in ihren Kommentaren als falsch erkannt zu haben glauben. Nur wird dadurch manche Kritik an den Gewerkschaften nicht weniger zutreffend. Um nicht falsch verstanden zu werden (hab' ich ja auch schon woanders geschrieben): Ich halte viele Arbeitnehmerrechte für eine wichtige Errungenschaft und sehe darin nicht die Wurzel unserer Probleme. Dass die Gewerkschaften aber auch ihren Teil zu unserer Misere beigetragen haben und sich gegen mitunter unvermeidliche Veränderungen wehren, halte ich aber leider für wahr. Dies muss man auch kritisieren dürfen, ohne dass gleich von einem anti-gewerkschaftlichen Zeitgeist die Rede ist. Die Sache mit dem Zeitgeist trifft höchstens insofern zu, als dass die Gewerkschaften mehr in der Kritik stehen als andere Lobby-Verbände, die ebensowenig von ihren Maximalpositionen abrücken wollen. Hier ist natürlich auch in der Politik ein großes Maß an Verlogenheit vorhanden, denn alle Parteien nehmen Rücksicht auf diese Verbände, und gerade jene Partei, die von sich behauptet, für mehr Marktwirtschaft und Wettbewerb einzutreten, entdeckt plötzlich den Protektionismus, wenn es darum geht, bei ihrer Klientel Liberalisierungen vorzunehmen.

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