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dr.musicHmmh, mich überrascht jetzt Deine Sichtweise und Einschätzung ja nicht. Ich kenne sie. Aber Du wirst da ziemlich in der Minderheit bleiben. Selber bin ich auch nicht der Ansicht, dass es mit dem Weggang von Gabriel in 1975 um die Gruppe mehr oder weniger geschehen war. Die Band konnte noch so einige Jahre ganz gut ohne ihn. Collins kriegt ja immer den Vorwurf der Kommerzialisierung und des poppigeren Antlitzes ab. Banks wird da auch seinen Anteil daran gehabt haben.
Wie gesagt, ich bin kein ausgesprochener Fan und habe mich insbesondere mit den Strukturen nie beschäftigt (also wer mit was befasst war). Gelegentlich höre ich in den 80er-Sachen eine Melodie heraus, die ich Collins zuschreiben würde – das ist eigentlich alles.
Onkel TomM.E. waren aber bis einschl. „Duke“ immer noch Banks/Rutherford die entscheidenden Männer für die Melodien. Gabriel war (in erster Linie) der Mann für die Texte. Vergleiche ich die Solowerke von Gabriel und Collins widerspreche ich dir „aus vollstem Herzen“. Collins gute Ideen waren recht schnell aufgebraucht. Am Ende blieb nur noch gehobene Fahrstuhlmusik.
Zur Ehrenrettung der sog. Fahrstuhlmusik: Interessanterweise spielt in Fahrstühlen keine Musik. Man hört sie viel öfter in Supermärkten. Und da soll sie positiv stimmen, um Kauflaune herbeizuführen. Was ja auch funktioniert. Wenn Musik so gesehen ihren Zweck erfüllt, muss sie gelungen sein. Für mich ist Musik, die im Laden spielt, also erstmal gut. Zumal man in Boutiquen und Trendläden manchmal echte Entdeckungen machen kann. Ich weiß noch, wie ich z.B. Supergrass in einem kleinen Laden in L.A. entdeckte, als meine Freundin da shoppte.
Gabriels Platten sind leider fast nie durchgehend gut. Da sind nicht wenige halbgare Experimente und Ideen, gerade auch auf den stichwortbenamten Platten. Später gingen ihm die Ideen ganz aus, ein „Against all Odds“ hat er nie geschrieben (Würdest Du das als „Fahrstuhlmusik“ bezeichnen?) Okay, dafür hat Gabriel „Don’t Give Up“.
Uneingeschränkt gut war er immer live, in der Mischung aus Sound und Show. Und natürlich seine Stimme. Für einen Sieg über Collins reicht das nicht. Aber wozu auch? Wichtiger ist mir zu sagen, dass Collins von den Geschmacksnazis gern belächelt wird, aber sich keineswegs verstecken muss.
09. September 2015
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„Weniger, aber besser.“ D. Rams