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Fumio Karashima Trio – Landscape | Im Oktober 1977 nimmt Karashima wieder ein Trio-Album auf (WhyNot/Trio). Zwischen sein Debut und dieses dritte Album fällt noch „Gathering“, das ich noch nicht kenne. Dort ist sein damaliger Boss, Drummer George Otssuka, am Schlagzeug dabei, sowie Isao Suzuki am Bass. Hier ist der Bassist der illustre Gast: George Mraz. Am Schlagzeug ist Motohiko Hino dabei, der gerade in den beiden Stücken der A-Seite viel Arbeit hat, zwei sehr unterschiedlichen Latin-Nummern. „Revlis“ ist eine Art schnelle Samba und „Tears“ dann eine Ballade. Karashima hat alle fünf Stücke des Albums selbst komponiert. Auf der B-Seite gibt es drei Stücke, das Titelstück in einer Art kreisenden Tyner-Groove zum Einstieg, die Ballade „The Fall“ in der Mitte und „In My Usual Way“ als Rausschmeisser mit Basie-Anleihen im Piano-Solo, einem guten Bass-Solo, Fours und überhaupt heftigem Swing des Trios. Der Pianist klingt in seinem Stil deutlich gefestigter, will nicht ständig glänzen sondern lässt die Dinge eher gelassen auf sich zukommen, das Album wirkt sehr aus einem Guss und gefällt mir etwas besser als das Debut. Um Otsuka (manchmal Ohtsuka geschrieben) als Leader hab ich bisher eher einen Bogen gemacht, aber vielleicht sollte ich die Trio-Aufnahmen mit Karashima mal überdenken.
Karashima (1948-2017) kam in Oita (auf der Insel Kyushu im Süden des Landes) zur Welt, zog nach Tokyo, wo er 1975 zur Band von Otsuka stiess und sich mit Motohiko Hino anfreundete, der bald in Karashimas Trio spielte. Ein paar Jahre später spielte er mit Elvin Jones und würde für mehrere Jahre Mitglied von dessen Jazz Machine (er ist auf dem vor ein paar Jahren erschienenen Mitschnitt aus dem Onkel Pös 1981 dabei, es gab aber schon frühere Veröffentlichungen von 1984/85, als Sonny Fortune bzw. Frank Foster und Pat LaBarbera am Tenorsax dabei waren, Richard Davis oder Skip Jackson am Bass). Später spielte Karashima solo und wieder mit eigenen Bands. Mit Jack DeJohnette und Drew Gress nahm er in den Nullern noch ein Trio-Album auf, das ich gerne mal hören würde („Great Time“). Im Februar 2017 starb Karashima an Krebs.

Fumio Karashima Meets Elvin Jones – Moonflower | Im April 1978 war Elvin Jones in Japan – seine Jazz Machine nahm live zwei Volumen von „Dear John C – Live in Japan“ auf (Foster, LaBarbera, Roland Prince, Andy McCloud), die bei Trio erschienen (und bei Konnex). Zehn Tage später waren Foster und Jones bei der Big Band von Nobuo Hara, den Sharps & Flats, zu Gast. Mit dieser hatte auch Toshihiko Ogawa lange Zeit gespielt (und für sie arrangiert) – auch auf dem Album mit Oliver Nelson, das ich im November bei @redbeans angehört hatte (Masabumi Kikuchi übernimmt dort ein paar Mal am Klavier). Noch ein paar Tage später ging Jones mit Karashima und Andy McCloud für Trio nochmal ins Studio in Tokyo. Neben drei Stücken des Pianisten gibt es hier auch „My Funny Valentine“ und als Closer „Bessie’s Blues“. Im Opener, dem Titelstück, spielt Karashima einen Yamaha CP-70, der hier als „electric grand“ beschrieben wird, aber nicht den glockenreinen Sound des Instruments bietet, das Herbie Hancock beim ersten V.S.O.P.-Mitschnitt auf der Doppel-LP von 1977 mit den anderen Line-Ups auf LP2 hatte, sondern eine Mischung davon und dem wabernden Fender Rhodes-Sound. Zuerst etwas irritierend, aber bald ziemlich toll, auch weil McCloud/Jones einen tollen Beat drunterlegen, der erst allmählich dichter und treibender wird und sich auch immer wieder entspannt, Jones an den Besen, McCloud mit Solo. Für den Rest des Albums spielt Karashima dann einen normalen Flügel. Zuerst im langen „My Funny Valentine“, in dem Karashima zu Beginn leise mitsingt und der Melodie im langsamen Tempo zu ihrem Recht verhilft. Dass Tyner hier der offensichtlichste Bezugspunkt geworden ist, wird in „“Friday Night“, dem Opener der zweiten Plattenseite, recht deutlich. Karashima kombiniert perlende Läufe mit Tremolo-Passagen, die linke Hand begleitet wuchtig, und immer wieder finden die beiden Hände zusammen und erzeugen ein vielfaches an Masse und Wucht. Jones spielt hier ein paar tolle Solo-Passagen. Das Stück ist zwölftaktig, er spielt im Wechsel mit dem Pianisten mehrere ganze Chorusse – und soliert dann eigentlich bis zum Schluss weiter, mal mit, mal ohne die anderen beiden, am Ende länger ganz allein. „Bitter Waltz“ ist ein balladeskes Original mit charmantem Thema. Der Closer ist dann ein No-Bullshit-Romp, McCloud walkt, Jones shuffelt und Karashima demonstriert nochmal sein inzwischen gewonnenes Selbstvertrauen mit einem spontan und doch sehr durchacht wirkenden Solo mit einer klaren Richtung mit guten Ideen, hervorragender sitzender Phrasierung … kein Wunder, heuerte Jones ihn später für seine Band an.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba