Antwort auf: Umfrage: Die 20 besten Tracks von Die Ärzte

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jan-lustiger

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Eine sehr 90er-lastige Liste schickt @fordprefect ins Rennen. Alleine von den ersten beiden Alben nach der Reunion, Die Bestie in Menschengestalt (1993) und Planet Punk (1995), finden sich jeweils fünf Titel im Ranking. Immerhin sechs Titel stammen aus den 80ern, aus dem 21. Jahrhundert hat es einzig die Geräusch-Hitsingle „Unrockbar“ von 2003 unter die ersten 20 geschafft.

Die Liste hat eine ganz schöne Mischung aus Hits und Album-Cuts. Von den weniger häufig genannten Titeln fallen mir vor allem „Deutschrockgirl“ (Die Bestie in Menschengestalt, 1993) – Textauszug: „Weil Kunzes Hund ein Baby biss / hat dich noch nie ein Mann geküsst“) -, „Straight Outta Bückeburg“ aus der zu oft vernachlässigten Le Frisur (1996) und die aberwitzige Latin-Nummer „Meine Ex(plodierte Freundin)“ (Planet Punk, 1995) auf, letztere sicherlich ein Fan-Favorit abseits der großen Klassiker. Mit „Vermissen, Baby!“ (ebenfalls Planet Punk) befindet sich nun außerdem der dritte „Rod-Song“ im Rennen, ein Punkkracher vor dem Herrn, in dem sich der verlassene Machotyp nach und nach als absoluter Vollpfosten enttarnt.

Auf der Nummer eins befindet sich dann auch eine Nummer, die absolut Sinn macht, wenn man den Generationshinweis des Listenerstellers (musikalisch sozialisiert in den 90ern, auch mit der besten Band der Welt) in seinem Post beachtet. Denn kaum ein anderer Ärzte-Song schreit so sehr „Gen X“ wie „Kopfüber in die Hölle“ (Musik: Farin Urlaub / Text: Bela B. Felsenheimer, Farin Urlaub) von Die Bestie in Menschengestalt (1993). „Revolution, wir wollten weg von der Masse / Kopfüber in die Hölle und zurück / Heute stehst du bei Hertie an der Kasse / Da ist keine Sehnsucht mehr in deinem Blick“. Das gegenkulturelle Aufbegehren der Jugend weicht einem desillusioniertem Leben „im System“, der Protagonist weint der Vergangenheit hinterher – was natürlich auch mit einem Verlust an Unschuld und Aufbegehren einhergeht. Die Zeile „Heute stehst du bei Hertie an der Kasse“ wurde übrigens bei der Neuaufnahme für die Veröffentlichung als Doppel-A-Seite einer Single gemeinsam mit „Quark“ sowie bei allen folgenden Liveauftritten durch „Heute stehst du für alles, was ich hasse“ ersetzt, nachdem sich ein paar Fans über die mangelnde Sensibilität der Zeile beschwert hatten. Anyway, hier ist der Song, live in Bremen im Jahr 1995:

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