Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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The Don Friedman Trio | Ein paar Tage später, am 11. September 1978, war Friedman schon wieder im Downtown Studio für Statiras und Progressive, wieder mit Frank Luther und Billy Hart und zum Glück auch mit deutlich besserem Sound (ich hab das Japan-Reissue von 2016). Ein reines Standards-Programm, das mit „Where Are You“ los geht, mit längerem, sehr schönen Piano-Intro. Das ist bis dahin, mal abgesehen von den frühen Alben auf Riverside, die ja schon sehr besonders sind, sicher mein liebstes Friedman-Album. Hier passt die Atmosphäre, der Sound, die Begleitung, es sitzen die Grooves, es sprühen die Ideen und es funkelt der Flügel vor lauter Klangfarben. „Smoke Gets in Your Eyes“ geht wieder mit einem kurzen Solo-Intro los, das am Ende eine unerwartete Wendung nimmt, dann eine kurze Pause und weiter mit dem Thema. Luther steuert schöne Soli bei, Hart ist weniger diskret als Bedford, etwas karger aber mit deutlicheren Akzenten. Am Ende der ersten Seite steht „The Way We Were“ von Alan und Marilyn Bergman sowie Marvin Hamlisch (Barbra Streisand, 1973) – auch im Balladentempo, wobei hier keine Sekunden Langweile aufkommt, Friedman und seine zwei Kollegen sind in so toller Form. Im zweiten teil ist der Ablauf ähnlich: zwei Songs aus den Dreissigern – „The Song Is You“ (im schnellen Tempo natürlich, Luther spielt dann irgendwie Oktaven im Solo – ich weiss nicht, ob das eine technische Spielerei ist oder wie das geht?) und „Easy Living“ (mittelschnell) und dann wieder etwas jüngere, hier gestaffelt und nicht so jung wie auf der ersten Seite: „Secret Love“ (1953) sowie zum Abschluss „The Shadow of Your Smile“ (1965) – beide super und beide wieder im schnelleren Tempo. Weit ist hier das Keith Jarrett Trio nicht mehr weg – und ich denke, wenn die drei hier länger zusammengespielt hätten, wären sie durchaus in der Lage gewesen, ähnliche Höhen zu erklimmen. Wunderbare Musik auf jeden Fall! Die einzige seltsame Sache ist, dass die erste Hälfte aus drei Balladen besteht und dann die (mittel)schnellen Tempi auch wieder als Block folgen.

Das seltsame und doch irgendwie tolle Band-Foto auf dem Rückcover ist in echt schärfer und besser ausgeleuchtet – es stammt vom Produzenten Gus Statiras (das Fontcover hat Kaoru Abe gestaltet) – und das Album war wieder eine rein japanische Angelegenheit. 1979 erschienen, 2016 dann auf CD (2018 mit zusätzlichem OBI-Strip und neuer Nummer auf diesem aber wohl nicht auf dem Cover selbst nochmal), laut Discogs 2018 dann auch in den USA (mit CD-R-Verdacht, falls sichs‘ wer überlegen sollte).

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba