Antwort auf: Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II)

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motoerwolf

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Send Help (Sam Raimi, 2026)

Raimi präsentiert hier einen wilden Genre-Mix aus Thriller, Survival-Drama, RomCom und Horror. Linda Liddle (Rachel McAdams) ist eine wichtige, aber leider sozial total unsichere und rechte tölpelhafte Mitarbeiterin einer großen Firma, deren neuer Chef, der das Unternehmen geerbt hat, sie verachtet und ihr eigentlich kündigen will. Er gibt ihr jedoch eine letzte Chance, sich auf einer Geschäftsreise zu beweisen. Auf der Reise stürzt das Flugzeug ab, und bis auf Linda und ihren Chef sterben alle. Die zwei retten sich auf eine Insel, wo sich ihr Verhältnis dreht, denn Linda ist zufällig Survivor-Fan und absolut in der Lage, die Situation in der Wildnis zu meistern.

Der Film macht vieles richtig, besonders die Besetzung ist wirklich gut gelungen. Allerdings gibt es auch ein paar Mankos. Wirklich übel ist beispielsweise der Look eines Tieres, das Linda jagt. Das ist schlimmer CGI-Schrott. Da die Szene aber nicht allzu lang ist, kann man das verschmerzen. Wesentlich störender fand ich die Entwicklung der Linda-Figur. Diese wird irgendwann vom Opfer zum Täter und verbreitet dabei mehr Leid, als ihr widerfahren ist. Ja, Macht korrumpiert. Doch wofür Linda im Film zu töten bereit ist, steht in keinem Verhältnis zum Akt des Tötens. Mich hat der Film ab dieser Stelle etwas verloren. 6,5/10 Punkten.

28 Years Later: The Bone Temple (Nia DaCosta, 2026)

DaCostas Film ist ein absoluter Hammer geworden, der den direkten Vorgänger locker in den Schatten stellt. Allerdings ist der Film nur schwer genießbar, die Gewalt in diesem Werk ist wahnsinnig unangenehm zu schauen. Bereits die Eröffnungssequenz mit Spike und den „Powerrangers“, die fast nahtlos an den Vorgänger anknüpft, fühlt sich für den Zuschauer zunehmend beklemmender an und bereit fast körperliche Schmerzen. Dabei ist das Gezeigte letztlich (optisch) relativ harmlos, es gibt eine, immerhin tödliche, Stichverletzung zu sehen. Doch der Weg dahin, und noch viel mehr die Folgen davon, lassen den Zuschauer in ein tiefes emotionales Loch fallen.  Aus diesem kommt man auch kaum mehr heraus, solange diese Figuren auf der Leinwand zu sehen sind (die Sequenz in der Scheune, Herrgott). In einem zweiten Handlungsstrang folgen wir Dr. Ian Kelson und dem Alpha aus dem letzten Teil, und so hart die Szenen mit den Jugendlichen sind, so seltsam berührend sind die Szenen mit diesen beiden. Denn Kelson schafft es, eine Art Beziehung zum Alpha aufzubauen. So etwas hat man im Genre schon gesehen, aber nicht so wie hier. Beispielsweise hat diese Beziehung starke homoerotische Untertöne, und das nicht etwa nur wegen des gewaltigen Penis des Alpha (ist der echt?).

Im Finale führen beide Handlungsstränge zusammen, und was Ralph Fiennes hier als Dr. Kelson für eine Show liefert, hat mir im Kino die Tränen in die Augen getrieben. Vor Glück und Dankbarkeit, diese fantastische Szene im Kino sehen und hören zu dürfen. Mindestens innerhalb des Genres ein Meisterwerk, ich gebe 10/10 Punkten.

Primate (Johannes Roberts, 2025)

Netter Tierhorrorfilm, dessen besondere Stärke der Affe ist, der hier von einem Menschen gespielt wird. Das sieht richtig gut aus, und man ist dankbar, dass hier kein CGI eingesetzt wurde. Auch sonst macht Film Spaß und ist ansprechend inszeniert. Lediglich ein Punkt störte mich gewaltig, und das bereits von der allerersten Szene an. Die Figuren verhalten sich immer wieder so unfassbar dumm, dass man weinen möchte. Bleiben wir als Beispiel bei der Eröffnungssequenz: hier geht ein Tierarzt in Bens Gehege, einem Schimpansen, der ganz offensichtlich krank ist. Später im Film erfahren wir, dass der eigentlich im Haus lebende Affe von seiner „Familie“ über Nacht eingeschlossen wurde, weil der durch einen Biss eine Infektion bekommen haben könnte. Und kranke Tiere können nun einmal unberechenbar und gefährlich sein. Unser Tierarzt jedoch geht in den Käfig, lässt die Tür offen, will Ben eine Injektion per ganz normaler Spritze verabreichen. Wahnsinnig professionell. Auch will ich nie wieder sehen, wie der tot geglaubte Killer / das tot geglaubte Monster noch ein letztes Mal angreift. Hat denn in diesem Film niemand Zombieland gesehen und die Regeln gelernt? Trotz dieser Schwachpunkte lohnt sich der Film für Genrefans, und für diese gebe ich 7/10 Punkten.

The Housemaid – Wenn sie wüsste (The Housemaid, Paul Feig, 2025)

Komischer Film. Ich kenne die Vorlage nicht, der Film jedenfalls ist teilweise ganz schön trashig geworden. Es gibt jede Menge Twists (die mich nicht besonders überrascht haben), eine exaltierte Hauptfigur (Amanda Seyfried) und eine cheezy Story (diese Sexszenen!) um deren Mann und das Hausmädchen (Sydney Sweeney, die mit den guten Jeans / Genen). Es wurde relativ viel gelacht im Publikum, auch von mir, aber ich bezweifle, dass Feig all diese Lacher intendiert hatte. Allerdings ist der Film auch über weite Strecken sehr unterhaltsam und spannend, das Ende gar ziemlich heftig. Ich bin völlig planlos, wie ich diesen Film bewerten soll.

zuletzt geändert von motoerwolf

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And all the pigeons adore me and peck at my feet Oh the fame, the fame, the fame