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Phineas Newborn Jr. – Back Home / The Phineas Newborn Trio – Look Out – Phineas Is Back! | Auch bei Phineas Newborn Star Time: Ray Brown ist beide Male dabei, beim zwei Album auch als Produzent. Das erste erschien erst 1985, entstand an zwei Tagen im September 1976 im Contemporary Studio (Lester Koenig selbst am Mischpult, bei Hawes ware Roy DuNann zuständig) mit Elvin Jones am Schlagzeug, das zweite erschien 1977 (Japan) bzw. 1978 (USA/Europa) mit schönerem Cover (unten) und ist mit Jimmie Smith an den Drums an zwei Tagen im Dezember in den RCA Recording Studios in L.A. aufgenommen worden. Liner Notes gibt es hier keine – aber die Musik ist auch selbsterklärend. Newborn wirkt merklich gereift, verfügt weiterhin über eine blendende, brillante Technik, aber setzt diese sehr gut dosiert sein. Es gibt jeweils acht Stücke (beim zweiten Album noch einen kurzen CD-Bonustrack), beim ersten Album neben dem Opener „Sugar Ray“, dem Titelstück und „Pamela“ von Newborn eine klasse Version von Michel Legrands „Watch What Happens“ und vier Klassiker: „Ill Wind“ (toll!), „No Moon at All“ (auch toll, klar – Lieblingsstück), „On Green Dolphin Street“ (mit beeindruckenden zweihändigen Passagen) und „Love for Sale“. Elvin Jones funktioniert hier völlig anders als mit Tyner und Carter, viel entspannter, weniger druckvoll – Manne ist auf dem Album mit Hawes flächiger und polyrhythmischer unterwegs. Jones findet aber seine Rolle und spielt mit ebenso viel Autorität, wie das bei Brown eh immer der Fall ist.
Das zweite Album, für Pablo aufgenommen und mit leichteren Drums, die mehr nach vorn gespielt werden deutlich weniger vielschichtig sind, öffnet mit „Salt Peanuts“ – über das Bass-Lick von „Manteca“ und sehr funky. Später folgt von Dizzy Gillespie auch noch „A Night in Tunisia“. Von Newborn stammen der „Tamarind Blues“ und der Closer „Donald’s Dream“, Ray Brown brachte seinen „Abbers Song“ mit – hier gibt es eine Art kontrollierte Eskalation von Newborn, die sehr toll ist. Dazu kommen „The Man I Love“ (in einer beeindruckenden Solo-Version – aber das Klavier ist leider so eng abgemischt, dass es fast übersteuert, klingt als sei Fortissimo bis Fortefortissimo alles, was an Dynamik drin ist bei der Aufnahme – es gibt keinen Credit ausser den von Brown als Produzent), „Sometimes I’m Happy“, „Just in Time“ (nur auf der CD) und – eine kleine Überraschung – Stevie Wonders „You Are the Sunshine of My Life“, das aber zu einer ziemlich konventionellen Jazz-Performance wird. Die Aufnahmen mit Elvin Jones gefallen mir deutlich besser … hat vielleicht auch mit dem Label zu tun – auf jeden Fall aber mit dem Drummer und ziemlich sicher auch mit der nicht optimalen Aufnahme des Klaviers.
Dass Phineas Newborn zu den Leuten gehört, die erst mit zunehmendem Alter richtig gut wurden – in seinem Fall wohl: laufend besser wurden – , ist auf jeden Fall eine Erkenntnis, die ich aus diesem Thread mitnehme.


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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba