Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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Sir Charles Thompson – Hey There ! | Bei den Franzosen braucht’s einen Leerschlag vor dem Ausrufezeichen … und dieses ist hier durchaus verdient. Thompson spielt auch mal unbegleitet mit Rag und Boogie Anklängen, aber die meiste Zeit sind Major Holley und Ed Thigpen dabei. Aufgenommen wurde am 25. und 27. März 1974 im Barclay Studio in Paris. Möglich, dass der Motor da und dort gar zu geölt läuft, aber alles in allem ist das ein echt schönes Album, das den Veteranen gut gelaunt im gern „Mainstream“ genannten Zwischengebiet zwischen Swing und Bop, altem, älterem und auch etwas neuerem Jazz präsentiert – mit klarer Tendenz zum schnörkellosen Swing. Toll ist der Opener, eine ziemlich lange Version von „Gee Baby Ain’t I Good to You“, danach folgen auf Seite 1 das „Russian Lullaby“, der erste unbegleitete Blues („Everybody Blues“), und ein kurzer Romp über „It’s Almost Likke Being in Love“. Highlights sind dann wieder die ersten zwei Stücke der zweiten Plattenseite, „Poor Butterfly“ und Wild Bill Davis‘ „Stolen Sweets“. Meistens bleibt Thompson gradlinig und eben: schnörkellos, aber da und dort brechen Läufe aus ihm heraus, die verraten, dass er seinen Tatum gehört hat. Das Titelstück steht am Ende, nach dem „Blues for Bonte“, dem zweiten Solo-Stück.

Die vier Bonustracks – ein Alternate Take vom „Everybody Blues“ (oder „Everyday Blues“?) sowie „Robbins‘ Nest“ ebenfalls als Solo-Stück, dazu drei im Trio-Stücke: „Strange Hour“, „Bernie’s Tune“, „Bop This“ – packten die Franzosen allesamt auf das Reissue sowohl von „Hey There!“ wie auch auf jenes von „Just Friends“, das Thompson 1979 an der Orgel im Duo mit dem Drummer Ronnie Coles eingespielt hat, das aber erst 1939 erschien (gab’s öfter bei Black & Blue, dass auf der ersten CD eines Künstlers einfach noch Bonustracks beigegeben wurden, als 1997 oder so das frz. Reissue von „Hey There!“ folgte, wurden die Bonustracks halt erneut beigefügt und mit dem Rest der Session, von der sie stammten, vereint). Die Japaner packten „Robbin’s Nest“ ans Ende von „Hey There!“ und die vier anderen Stücke seltsamerweise bloss auf „Just Friends“, wo sie echt nicht hingehören … jedenfalls gibt es beim Bonusmaterial mit „Robbins‘ Nest“, das Thompson zusammen mit Illinois Jacquet komponiert hat, und seinem eigenen „Bop This“ sowie „Bernie’s Tune“ mehr modernen Jazz als auf dem eigentlichen Album, das ist also keine unerhebliche Erweiterung des Programms – ich vermute mal, man liess die moderneren Stücke bewusst weg, weil sie das Programmieren des Albums erschwert hätten.

Und velleicht auch ganz gut, dass ich das nicht im etwas gedrängten ersten Durchlauf hörte, wo ich aus dieser Ecke so einiges weggelassen habe, was jetzt auf dem nochmal ordentlich hoch gewordenen Stapel liegt. Und klar: die Rollenverteilung ist hier komplett traditionell … auch wenn Thigpen mehr noch als Holley auch anders konnte, passen sie perfekt in so einem Rahmen. Auch „Strange Hour“ ist ein echt schönes Thompson-Stück, auf dem Thigpen eine ziemlich tolle Begleitung trommelt. Überhaupt ist Thigpen auf den drei Trio-Bonustracks so aktiv wie sonst kaum.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba