Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Hampton Hawes / Cecil McBee / Roy Haynes – Live at the Jazz Showcase in Chicago Volume One & Volume Two | Gestern Community Musik aus New York in L.A., heute Community Musik aus L.A. in Chicago 1973 (Vol. 1 vom 10. Juli, Vol. 2 vom Juni) … McBee ist zu laut aufgenommen und manchmal sehr dominant (gern grad dann, wenn er nicht so spannendes Zeug spielt), Haynes klingt nicht so knackig wie üblich, spielt dafür ständig tolles Zeug, die Stimmung ist super, Hawes – zu leise aufgenommen – wirkt von der ungewöhnlichen Band ziemlich inspiriert. Beide Volumen öffnen mit Ansagen von Joe Segal, auf Vol. 1 (1981 erschienen) gibt es eine Dreiviertelstunde, drei lange Tracks und ein kürzeres „St. Thomas“ (Haynes top, McBee leider eher flop) zum Ausklang. „Stella by Starlight“ beginnt mit einem langen Solo-Intro, „Bluebird“ (Parker) und „Spanish Moods“ (Hawes) sind dann beide sehr toll. Vol. 2 (erst 1898 nachgereicht) enthält über eine Stunde Musik, zum Einstieg ein 26minütiges Medley aus „Blue Bird“ und „Blue Hamp“ (Hawes), zum Ausklang ein sechzehnminütiges, etwas mäanderndes „Spanish Mood“, obwohl der Groove am Anfang hervorragend sitzt (ich übernehme die unterschiedlichen Schreibweisen von den CDs). Dazwischen gibt es „My Funny Valentine“, „Walking Around the Town“ (von Hawes, der sich hier auch als Sänger versucht, wobei er sich im Voraus für seine Stimme entschuldigt, und er hat leider recht – acht Minuten, die sich ziehen, aber irgendwie doch Charme haben), „The Shadows [sic] of Your Smile“ und den „Carson Blues“ (Hawes, eine Miniatur von weniger als zwei Minuten). Das ist viel Musik und das Trio wirkt nicht ganz so inspiriert wie auf dem ersten Album – aber das ficht Hawes nicht an, der schon im öffnenden Parker-Blues ein tolles Solo vorlegt.

Ein wenig bin ich beim heutigen Wiederhören über McBee (den ich grundsätzlich sehr mag) enttäuscht – man merkt es. Die halbe Zeit schlittert er irgendwie auf dem Fingerbrett herum, trifft dann schon den Ton wieder, aber walkt dann einfach mässig inspiriert vor sich hin, ständig in der hohen Lage, wo er Hawes auch manchmal in die Quere kommt. Tiefe Töne streut er eigentlich nur für den Effekt ab und zu ein – oder im Solo, da steigt er plötzlich auch mal für einen Moment hinab in die Tiefe. Vielleicht hätte er an dem Abend lieber ein Cello gehabt?

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba