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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"
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gypsy-tail-wind
Hampton Hawes – Spanish Steps / Blues for Bud | Ein Nachkauf im Rahmen dieser Strecke … aber natürlich keiner, der nicht eh für irgendwann geplant gewesen wäre. Aufnahmen aus dem Polydor Studio Paris vom 10. März 1968 mit Jimmy Woode und Art Taylor – und im Vergleich mit der LP enthält die CD fünf Bonustracks: „They Say It’s Wonderful“ (ein Piano-Solo), „Children’s Play“ (mit über neun Minuten das längste Stück der Session, beginnt als eine Art Groove-Samba, wird später ruhiger und sehr frei – spannend!) und „Blues for Bud“ (ein funky Blues, der mit den Begleitern nicht wirklich funky wird, was ebenfalls interessant ist; Woode singt im Bass-Solo die halbe Zeit mit). hätten eine dritte Plattenseite füllen können, dazu kommen noch je ein Alternate Take vom LP-Titeltrack und „Black Forest“. Bis auf „My Romance“, den Closer der LP, und den Berlin-Klassiker im Bonussegment, hat Hawes das ganze Material selbst komponiert. Das Trio ist spätestens im (spanisch tanzenden) „Sonora“ im 3/4-Takt wirklich zusammen, Taylor klingt für meine Ohren selten so frisch und so fokussiert wie hier, Woode erweist sich als überaus vielseitiger Musiker, der seine Bassläufe zur Begleitstimme werden lässt. In „Black Forest“ spielt Taylor einen sehr tollen Beat mit den Besen, nicht weniger zupackend als er das mit Sticks tun würde. Woode Bass grummelt in der Tiefe und Hawes ist offensichtlich gut aufgelegt und wird von seinem Stück mit sehr reduzierten Changes zu einem guten Solo angeregt. „Dangerous“ rast dahin, die Drums so knackig wie das Klavier, das recht karge Linien mit längeren Pausen spielt, punktiert von Akkorden – in der Offenheit seines Spiels hier erinnert mich Hawes ein wenig an das, was Herbie Hancock in den Jahren direkt davor auf Blue Note gemacht hat. „Spanish Steps“, wieder im 3/4, geht in eine ähnliche Richtung wie „Sonora“, Taylor bindet auffällige Schläge auf eine Glocke (oder die Glocke eines kleines Beckens) ein, Woode öffnet den Raum, den Hawes bespielt. „My Romance“ ist beinah so lang wie „They Say It’s Wonderful“ und ein letztes Highlight, in dem das Trio zeigt, dass es auch bei Standards ganz vorn mithalten kann. Hawes spielt auch hier recht sparsam, mit einem wunderschönen Klaviersound und einem tollen Flow. Woode ist in der Begleitung etwas zu aufdringlich, aber hat einen hervorragenden Beat, der wiederum Taylor bei seiner ruckelnden Besen-Begleitung (da steckt etwas Krupa im Time-Feel, dünkt mich) grösseren Freiraum gibt. Im Bass-Solo feuert Woode sich selbst an, singt und brummt wieder einzelne Phrasen mit. Alte Schule natürlich, was im Vergleich mit Izenzon oder McBee deutlich wird – aber exzellent nichtsdestotrotz. Duke Ellington wusste immer, was er tat, wenn er Bassisten auswählte. Der Alternate Take von „Spanish Steps“ ist deutlich kürzer (2:35 vs. 3:14), mit einer ähnlichen Glocken-Begleitung – so richtig geht hier nichts auf, das ist fast eine Vignette. Für sich genommen auch schön, aber ich verstehe die Wahl des Master Takes. Der Alternate von „Black Forest“ kommt noch ohne Intro daher und der Groove sitzt noch nicht wirklich – aber klar, es gibt noch ein schönes Solo von Hawes zu hören, und das ist ja an sich schon ein Mehrwert.
Sehr feine und präzise Beschreibung supriger Piano Trio Aufnahmen …. btw. hier muss man unbedingt die Black Lion (bzw. via Tokuma Japan) Kompilation heranziehen, um die ganze Geschichte zu kennen ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
Hampton Hawes – Spanish Steps / Blues for Bud | Ein Nachkauf im Rahmen dieser Strecke … aber natürlich keiner, der nicht eh für irgendwann geplant gewesen wäre. Aufnahmen aus dem Polydor Studio Paris vom 10. März 1968 mit Jimmy Woode und Art Taylor – und im Vergleich mit der LP enthält die CD fünf Bonustracks: „They Say It’s Wonderful“ (ein Piano-Solo), „Children’s Play“ (mit über neun Minuten das längste Stück der Session, beginnt als eine Art Groove-Samba, wird später ruhiger und sehr frei – spannend!) und „Blues for Bud“ (ein funky Blues, der mit den Begleitern nicht wirklich funky wird, was ebenfalls interessant ist; Woode singt im Bass-Solo die halbe Zeit mit). hätten eine dritte Plattenseite füllen können, dazu kommen noch je ein Alternate Take vom LP-Titeltrack und „Black Forest“. Bis auf „My Romance“, den Closer der LP, und den Berlin-Klassiker im Bonussegment, hat Hawes das ganze Material selbst komponiert. Das Trio ist spätestens im (spanisch tanzenden) „Sonora“ im 3/4-Takt wirklich zusammen, Taylor klingt für meine Ohren selten so frisch und so fokussiert wie hier, Woode erweist sich als überaus vielseitiger Musiker, der seine Bassläufe zur Begleitstimme werden lässt. In „Black Forest“ spielt Taylor einen sehr tollen Beat mit den Besen, nicht weniger zupackend als er das mit Sticks tun würde. Woode Bass grummelt in der Tiefe und Hawes ist offensichtlich gut aufgelegt und wird von seinem Stück mit sehr reduzierten Changes zu einem guten Solo angeregt. „Dangerous“ rast dahin, die Drums so knackig wie das Klavier, das recht karge Linien mit längeren Pausen spielt, punktiert von Akkorden – in der Offenheit seines Spiels hier erinnert mich Hawes ein wenig an das, was Herbie Hancock in den Jahren direkt davor auf Blue Note gemacht hat. „Spanish Steps“, wieder im 3/4, geht in eine ähnliche Richtung wie „Sonora“, Taylor bindet auffällige Schläge auf eine Glocke (oder die Glocke eines kleines Beckens) ein, Woode öffnet den Raum, den Hawes bespielt. „My Romance“ ist beinah so lang wie „They Say It’s Wonderful“ und ein letztes Highlight, in dem das Trio zeigt, dass es auch bei Standards ganz vorn mithalten kann. Hawes spielt auch hier recht sparsam, mit einem wunderschönen Klaviersound und einem tollen Flow. Woode ist in der Begleitung etwas zu aufdringlich, aber hat einen hervorragenden Beat, der wiederum Taylor bei seiner ruckelnden Besen-Begleitung (da steckt etwas Krupa im Time-Feel, dünkt mich) grösseren Freiraum gibt. Im Bass-Solo feuert Woode sich selbst an, singt und brummt wieder einzelne Phrasen mit. Alte Schule natürlich, was im Vergleich mit Izenzon oder McBee deutlich wird – aber exzellent nichtsdestotrotz. Duke Ellington wusste immer, was er tat, wenn er Bassisten auswählte. Der Alternate Take von „Spanish Steps“ ist deutlich kürzer (2:35 vs. 3:14), mit einer ähnlichen Glocken-Begleitung – so richtig geht hier nichts auf, das ist fast eine Vignette. Für sich genommen auch schön, aber ich verstehe die Wahl des Master Takes. Der Alternate von „Black Forest“ kommt noch ohne Intro daher und der Groove sitzt noch nicht wirklich – aber klar, es gibt noch ein schönes Solo von Hawes zu hören, und das ist ja an sich schon ein Mehrwert.