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John Young – Serenata | Die dritte Scheibe von John Young als Leader entstand n zwei Tagen im September 1959 und erschien 1964 bei Delmark als „The John Young Trio“. Für das CD-Reissue von 1992 liess man Paul Serrano Liner Notes schreiben (dafür fehlen die von 1964) und gab der halben Stunde Musik noch drei Alternate Takes bei („Circus“, „Baby Doll“, „I Don’t Wanna Be Kissed“). Joe Segal nahm das Album in den Webb Studios auf, mit dabei sind Victor Sproles und Phil Thomas und es gibt einen Mix aus Ahmad Jamal und eigenem, viel Latin-Beats, nicht zuletzt im Titelstück, das auch andere Jazzer spielten (ich kenne v.a. die Version von Cannonball Adderley). Der Opener ist „I Don’t Wanna Be Kissed“ und da sind wir sofort im Jamal-Groove, locked-in mit diesen typischen Trommelschlägen auf dem Steh-Tom (oder doch der Snare?). Das alles ist harmonisch ziemlich reich und bewegt sich – auch da kann man zu Jamal gucken – gekonnt zwischen Cocktail-Piano und Jazz. Young spielt immer wieder total schöne Läufe, schmückt aus … die meisten Stücke sind recht kurz und nach so richtig viel Improvisation klingt das oft nicht. Von der Stimmung her aber sehr schön. Ich mag wohl das leicht Irre vom Debut eine Spur besser, aber man hört hier, wie Young seinen Weg geht und ein paar Dinge geklärt hat.
Serrano schreibt über ihn als Institution in Chicago, wie er schon früh in den wichtigsten Clubs gespielt hat (geboren 1922, aktiv ab ca. 1940), besonders im Kitty Kat – „the ultimate proving ground for piano trios. Here, Herbie Hancock, Ahmad Jamal, Kurt Stewart and John Young were the mainstays. If you couldn’t swing or just weren’t an out and out bad M–F–, that gig was out of reach.“ – Young fing also um 1940 herum bei Andy Kirk an und Serrano beschreibt ihn als „master cooker“: „… the audiences get caught up in the musical web. They follow his music, note by note, groove by groove, as he climbs higher and higher. And when the moment is just right, he takes off and goes into high gear. If he flashed that famous John Young smile and stands up while playing you know you’re about to enter the ‚groovelight‘ zone.“ Jeden Abend der Woche spiele Young in einem anderen Club der Stadt, manchmal mit seinem Trio, manchmal mit Sängerinnen, und damals seit vier Jahren donnerstags im Alexanders mit dem Jazz Masters Quintet (leider steht nicht, wer dazugehörte). Und „Serenata“ ist eins der frühen Dokumente von Young, der da eben auch schon fast 20 Jahre im Geschäft war, aber bis zu seinem Tod 2008 noch einen weiten Weg ging, von dem leider nicht annährend so viel dokumentiert ist, wie wir uns das wünschen würden.
(Wer ist Kurt Stewart?)

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba