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Da hörst Du wohl ein anderes Album als ich! Ich finde Workman super und sehr präsent – er gibt nichts auf und hat keine Probleme sondern gewinnt im Gegenteil massiv dazu (wie später auch im Trio 3, das ich glücklicherweise mehrmals live sehen konnte). Ich weiss gar nicht genau, wann und wo Workman (wieder, wenn man 1961 mit Coltrane mitzählt, was man schon tun sollte) zur Avantgarde fand oder ob er da je ganz raus war. Mit Crispell hat er ja schon „Gaia“ für Leo Records gemacht, 1987 mit Doug James am Schlagzeug. Lag hier auch bereit … eigentlich wollte ich Crispell seit der ECM-Strecke mal etwas vertiefen, was auch der Anlass war, „Live in Zurich“ zu kaufen.


Cecil Taylor Feel Trio – 2 Ts for a Lovely T | Cecil Taylor, William Parker und Tony Oxley wurden über fünf Tage, vom 27. August bis 1. September 1990, im Ronnie Scott’s mitgeschnitten, eine working band, soweit das für so eine Gruppe halt möglich war, die hervorragend abgestimmt ist. Noch in der höchsten Verdichtung bleibt die Musik des Trios transparent, durchsichtig, klar, jeder Ton, jedes Schaben, jedes Zupfen, jedes Kratzen und Klopfen ist stets hörbar. Oxley hat sein ganzen Klangarsenal dabei, Glöcklein, kleine Becken und andere Gegenstände, die er auf die Trommeln legt oder in dien Händen hält. Parker ist blitzschnell, greift ab und zu zum Bogen, manchmal nur für einen Ton oder zwei, dann für längere Passagen. Taylor ist derweil all over the piano, spielt seine 88 tuned drums von gehämmerten Akkorden in der tiefsten Lage bis zu Clustern im Diskant, mal wuchtig und hart, dann mit nahezu zärtlich hingetupften Passagen. Und in diesem ganzen Maelstrom ergeben sich auch immer wieder Momente der Ruhe – selbst in rasenden Momenten scheint manchmal alles stillzustehen. Die Sets – in der Regel ein Stück pro CD – dauern meisten etwas über 40 Minuten, das erste etwas länger, ein anderes dafür auch mal nur etwas mehr als eine halbe Stunde. Grossartige Musik!
Ich hatte mir überlegt, Box-Sets ev. doch auch aus der Liste zu nehmen – oder nur das von Jarrett drin zu lassen … aber nein, das hier muss auch mit rein! Bin der „funny rat“-Gruppe (ein Faden auf Org, in dem sich zu Beginn die vier, fünf Leute versammelten, die Interesse an Free Jazz und zeitgenössischem Avantgarde-Jazz hatten – benannt nach dem Brötzmann/Hano-Album, das ich erst Jahre später in die Finger kriegte) auf immer dankbar, dass ich die auf 1000 Exemplare limitierte Box, die 2002 bei Codanza (das Label verzeichnet bei Discogs keine weiteren Einträge) erschien, rechtzeitig kaufte. Auch hatte ich mir überlegt, ein Set vom Anfang, eins aus der Mitte und eins vom Schluss zu hören – und das sogleich wieder verworfen. Die Box bleibt in Griffweite, jetzt mal Sets 1 und 2 und die Tage (oder ab Februar, mal schauen) dann Fortsetzung.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba