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Charlie Haden / Geri Allen / Paul Motian – The Montreal Tapes
Charlie Haden / Paul Motian / Gonzalo Rubalcaba – The Montréal Tapes
Charlie Haden with Paul Bley and Paul Motian – The Montreal Tapes
Charlie Haden in der Woche seines Lebens, zumindest musikalisch gesprochen … 1. Juni 1989 mit Allen/Motian, aufgekratzt mit ausgewähltem Material, das die drei zur bisherigen Bestform auflaufen lässt, allen den Raum gibt, sich mit ihrem ganzen Können zu präsentieren, aber zugleich zum stärksten bisherigen Trio-Effort wird. Was ich hier auch wieder recht stark höre, ist das KC-Element, dieser lockere Swing, wie ihn Bennie Moten, Count Basie, Jay McShann geprägt haben – und ich mag das total, wie das Trio diese Grooves spielt, sie nie zuspielt, wie oft gar nicht wirklich soliert wird sondern wirklich gemeinsam improvisiert.
Mit dem jungen Kubaner (*1963) hatte Haden schon 1986 ein erstes Mal gespielt. Auch am 3. Juli öffnete sich manches, verschiedene Strängen laufen nebeneinander – aber es gibt klassische, virtuose Soli vor allem von Rubalcaba, der allerdings auch zu höchster Form aufläuft. Es gibt u.a. tolle Versionen von „La Pasionaria“ und „Silence“, und zum Ausklang „Solar“, das das Jarrett Trio ein paar Monate später ebenfalls spielen sollte (zu hören auf „Tribute“). In diesem Set kommt die melodische Seite von Hadens Musik stark zum Tragen, dass er immer auch gerne Lieder spielte, Hymnen, in der frühen Zeit am ehesten mit dem Liberation Music Orchestra, später aber auch in den zahlreichen Duos (nicht zuletzt auch wieder 2005 mit Rubalcaba auf dem 2015 erschienen „Tokyo Adagio“).
Dann der zweitletzte Abend am 7. Juli mit Paul Bley – und hier brechen nochmal ganz andere Dinge auf. Ja, eigentlich bricht hier alles auf, und es ist geradezu ein Wunder, dass nicht auch gleich alles auseinanderfliegt, so frei, wie die drei mit dem Material umspringen. Es gibt viermal Ornette (dessen Stücken Bley 1997 noch ein ganzes Trio-Album widmete), einmal Haden und Motian und in der Mitte des Konzerts die beiden Bleys in einem knapp 20minütigen Höhepunkt, „So Far so Good“ von Paul und danach das immer wieder grossartige „Ida Lupino“ von Carla in einer der besten Versionen. Das ist ein wirklich grossartiges Dokument, das in meiner Liste gerade das so halb als Platzhalter eingesetzte Album der Sechziger verdrängt.
Aufrechnen will ich hier definitiv nichts gegeneinander – die Konzertmitschnitte, zusammen mit den weiteren, ergeben eine Art Gesamtportrait von Haden in all seinen Aspekten. Von Ornette (via Don Cherry/Ed Blackwell) über ECM (mit Egberto Gismonti) bis zum LMO, von der Avantgarde (mit Henderson und vor mit allem Bley) über den Klassizismus (mit Henderson und mit Rubalcaba) bis zum aktuellen zeitgenössischen Jazz (mit Allen). Die Leerstellen sind damit auch angedeutet: Ornette Coleman (ein Coleman/Haden/Blackwell Trio wäre sich grossartig geworden, 1989 wäre Coleman ja auch wieder in der Stimmung für sowas gewesen) und vielleicht Jan Garbarek, mit dem das Duo mit Gismonti zum „Magico“-Trio-Revival geworden wäre … ob das vielleicht sogar mal die Idee war?
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba