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Joanne Brackeen – Special Identity | Zwei Tage im Minot Sound, White Plains, NY im Dezember 1981 – Joanne Brackeen mit der 1968er-Rhythmusgruppe von Bill Evans, Eddie Gomez und Jack DeJohnette (passend dazu hat Helen Keane, die langjährige Managerin von Evans, das Album produziert). Natürlich gerät das schon im Opener in viel intensivere Fahrwasser, Brackeens Klavier schneidet mit einer Schärfe durch das frühe digitale Klangbild (das ich mit dem Label, Antilles, sowieso stark verbinde), der Bass klingt jetzt wieder gut, die schlimmen Jahre sind wohl überstanden … und DeJohnette ist DeJohnette aus der Zeit, also mit schwerem, rockigem Sound, eher auf der Suche nach komplizierten Patterns und treibenden Beats als nach Polyrhythmen. Nat Hentoff beschreibt in den Liner Notes – Bemerkungen von Brackeen einbeziehend – wie sie auf der Suche nach der Unmittelbarkeit ist, wie sie nicht Musik macht sondern Musik *ist*, wie es bei Konzerten das Wichtigste sei, lebendig zu sein, wem auch immer zuhöre, Leben zu vermitteln. Es geht hier nicht um Virtuosität, nicht um einzelne Läufe und Passagen, nicht um das eine catchy Stück, sondern um das Ganze. Und das funktioniert wirklich hervorragend hier, auch wenn es Momente gibt, in denen alles Festzustecken, die rollende Welle dieses Trios zu brechen droht. Brackeen schichtet auch mal wilde Cluster über einen kantigen Beat, bleibt dabei aber immer „in tune“ mit dem Ganzen. Für meine Ohren ein grosser Schritt nach vorn.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba