Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

#12581383  | PERMALINK

gypsy-tail-wind
Moderator
Biomasse

Registriert seit: 25.01.2010

Beiträge: 69,788

Bill Evans Trio – Letter to Evan / Turn Out the Stars: Live at Ronnie Scott’s | Dass diese beiden CDs – mit Aufnahmen vom 21. Juli bzw. 10. August – nicht durch die Warner- und Fantasy-Boxen aus den letzten Monaten von Evans‘ Leben abgedeckt sind, hatte ich erst vor ein paar Jahren mal begriffen und sie dann natürlich gekauft. Evans kam bei mir in all den Jahren, die ich hier im Forum bin, fast immer zu kurz. Ich hörte die Resonance- und Elemental-Neuveröffentlichungen aus dem Archiv und gelegentlich etwas aus dem Riverside- oder Verve-Katalog, aber das grosse Evans-Wiederhören steht seit über 15 Jahren mal wieder an. Im aktuellen Kontext stehen die beiden hier also stellvertretend für die letzte, intensiv dokumentierte Werkphase, die ich auf Anhieb besser mochte als praktisch alles aus den Siebzigern (Anhieb heisst hier ca. 1997/98, als ich mir die „Turn Out the Stars“-Box auf Warner leistete und staunte, wie toll das alles war).

Für diese Dreyfus-CDs von 1992 hat Francis Paudras hymnische Liner Notes abgefasst (Evans, Debussy, Evans, Ravel, Evans, Bach, der vermisste Freund Evans, die Tragik, Evans der sich dem Autoren anvertraute) … je nach Perspektive eher abschreckend zu lesen, eine Art Heiligenvita ohne Heiliges – bzw. mit Unheiligem, das verschwiegen wird, das Heilige ist natürlich die Musik, der Engel ist Evans (gefallen ist er bei Paudras natürlich nicht). Zum Einstieg schreibt er aber auch, wie das Ronnie Scott’s seit 1969 zu einem Ort geworden sei, den Evans immer gern besuchte, und wie das auf Gegenseitigkeit beruhte, es Leute gab, die keinen von Evans‘ Auftritten dort verpassen wollten. Und natürlich sind die Aufnahmen toll – klingen tun sie etwas weniger als das, auch der Bass ist nicht gut aufgenommen, hat auch in der tiefen Lage keinen Körper … aber das macht nichts, denn das Zusammenspiel von Evans mit Marc Johnson ist umwerfend und Joe LaBarbera sorgt für den richtigen Beat, durchaus lärmig und zupackend und keineswegs unaufdringlich. Es gibt hier ein paar Originals, die ich gar nicht im Blick – oder gar im Ohr – habe: „Knit for Mary“, „Your Story“ und natürlich „Letter to Evan“ auf der ersten CD, auf der zweiten neben dem bekannten Titelstück auch „Laurie“ und „Two Lonely People“. Dazu kommen Klassiker wie „Emily“, „Stella by Starlight“ und „My Man’s Gone Now“ (erste CD), „My Romance“ und But Beautiful (zweite CD), und auch ein paar etwas jüngere Stücke wie „Days of Wine and Roses“ auf der ersten CD oder „I Do It for Your Love“ (Paul Simon) und „Peau Douce“ (Steve Swallow) auf der zweiten.

--

"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169 – 13.01.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba