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Gary Peacock, Art Lande, Eliot Zigmund – Shift in the Wind
Marc Hemmeler, Ray Brown, Shelly Manne – Walking In L.A.
Neue Dekade, neues Glück? Ich weiss nicht recht … jedenfalls fange ich mit zwei total unterschiedlichen Trios an. Das erste hat @vorgarten hier schon beschrieben. Ich mag Lande inzwischen auch, mag auch dieses Album inzwischen ganz gerne – bei der ersten Begegnung vor vielen Jahren fand ich es ziemlich langweilig und legte es lange weg. Peacock spielt super – und ich glaube auch, dass hier etwas Neues entsteht, was dann bei ECM nicht nur mit dem Gary Peacock Standards Trio sondern diversen anderen Formationen reichte Früchte tragen sollte und Formen fand, die mir sehr viel besser gefallen – die aber in den meisten Fällen (Marilyn Crispell ist die Ausnahme) auch „Arbeit“ waren für mich (das Peter Erskine Trio mit John Taylor, das Bobo Stenson Trio). Über klangtechnische Probleme braucht man hier nicht nachdenken, das hat ECM ja die allermeiste Zeit im Griff.
Auch das zweite Album ist klangtechnisch hervorragend, hat all die Wärme, die anderswo (Pauer) fehlt … vielleicht kommt die am Ende ja doch von den Palmen auf dem kalifornischen Cover? Der Schweizer Pianist Marc Hemmeler kam 1938 in Lyon zur Welt und machte in den frühen Achtzigern mit erlesenen Trios ein paar sehr gute Alben, von denen das hier das erste ist, auf LP bei Musica, später bei Elabeth als CD („Easy Does It“, auch Musica/Elabeth, ist das zweite, und „Feelings“ auf Rexon das dritte). 1960 in Paris gelandet, spielte er vier Jahre bei Johnny Halliday, wurde 1964 Hauspianist im Blue Note in Paris (mit Jimmy Gourley und Kenny Clarke), ab 1969 lange Zeit in der Band von Stéphane Grappelli, seine eigene Karriere ging spät los. Bill Evans steckt drin in diesem Album, aber auch Monty Alexander – und das ist tatsächlich alles sehr aufgeräumt, dass ich Pauer erwähne also kaum Zufall. Aber Brown/Manne federn mit so viel Eleganz durch die Session, dass Hemmeler wirklich nicht viel falsch machen kann (das einzige nachhaltig störende Element ist, dass eins der Becken, wenn Manne es auf der Glocke schlägt, die Mikrophone so übersteuert, dass es wie ein giftiger Triangel über alles hinüber klingt … und leider tut er das öfter mal, im Opener fast ständig). Vom Repertoire her ist das ein Standards-Album, mit einem Opener von Hemmeler/Nougaro. Danach „My Romance“, Browns „Gravy Waltz“ (ein Beinah-Standard), „In Your Own Sweet Way“, Hemmelers Titelstück, „Do You Know What It Means“ (to Miss New Orleans – ein Highlight), „Spring Can Hang You Up“ („Really“ und „the Most“ fehlt, warum auch immer, aber Tommy Wolf steht dabei) und als Closer nochmal etwas exzentrischer „I’m an Old Cowhand“ (da war Manne ja damals auch mit dabei). Das flutscht super durch, ist auch eine Position von Mainstream-Jazz um 1980, aber sicher kein Lieblingsalbum.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba