Antwort auf: Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II)

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pfingstluemmel
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Ebenfalls gesehen:

The Scribbler (Regie: John Suits – USA, 2014) 5,5/10
Das wilde Leben (Regie: Achim Bornhak – Deutschland, 2007) [Re-Watch] 5,5/10

Als ich vor 15 Jahren im deutschen Fernsehen zum ersten Mal über Das wilde Leben stolperte, fiel mein Urteil vernichtend aus: Rainer Langhans, ohnehin schon ein seltsamer Clown, wirkte in Gestalt von Matthias Schweighöfer gleich noch eine ganze Ecke dümmlicher, Dieter Kunzelmann wie aus einem Badesalz-Sketch entsprungen und der große Keith Richards glich einer Rio-Reiser-Parodie, über der stets mehr als ein Hauch Martin Semmelrogge lag.
Dabei entging mir, dass Achim Bornhak recht gut einfängt, was von 1968 übrigblieb: Nicht das Politische, sondern das Private, Hedonistische und Boulevardeske. Uschi Obermaier war nie eine Revolutionärin, sondern ein Mädchen mit Jet-Set-Ambitionen, eine Provinznudel, die von der großen Welt träumte. In Gestalt von Natalia Avelon exorziert er das Fiese und Gewöhnliche, das in Obermaier immer unter der Oberfläche hindurchschimmerte, oft grotesk durch ihren bäuerlichen Akzent verstärkt – und erschafft auf diesem Weg eine Hochglanz-Oberfläche, die dem Wesen der Obermaier mehr entspricht als ihre Einbettung in revolutionäre gesellschaftliche Kontexte.
Das wilde Leben mag oberflächlich und auf den Körper der Hauptdarstellerin fixiert sein, kommt Uschi Obermaier damit jedoch näher als jede „tiefgehende“ soziologische Analyse. Immer noch kein guter Film, doch lange nicht so furchtbar wie ich ihn in Erinnerung hatte.

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