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1. Rory Gallagher: Irish Tour ´74
2. Paul Weller: Days Of Speed
3. Eva Cassidy: Nightbird
4. Paul Weller: Live Wood
5. Carolyne Mas: Mas Hysteria
6. Heather Nova: Wonderlust
7. R.L. Burnside: Burnside On Burnside
8. Judas Priest: Unleashed In The East
9. Rodrigo Y Gabriela: Live In Japan
10. Floyd McDaniel: West Side Baby
11. Thin Lizzy: Live And Dangerous
12. Mississippi Fred McDowell: London Calling
13. Neil Young/Crazy Horse: Live Rust
14. AC/DC: If You Want Blood
15. Muddy Waters: Muddy „Mississippi“ Waters Live (2CD-Version)
16. Santana: Lotus
17. Mazzy Star: Ghost Highway
18. Gisbert zu Knyphausen: Live @ Fliegende Bauten
19: Eddie Lee „Mustright“ Jones: Yonder Go That Old Black Dog
20. Grand Funk Railroad: Caught In The Act
Belangloses für Vielleser:
Rory Gallagher: Irish Tour ’74
Die ersten fünf oder sechs könnten im Grunde je nach Tagesform die Plätze tauschen. Aber dies ist das Album meiner Top 20 welches mich am längsten begleitet und welches mir als erstes eingefallen ist. Die reine Blues-Rock-Essenz. A million miles … ahead.
Paul Weller: Days Of Speed
Für mich die beste Bande Songs in meiner Liste und die Erinnerung an einen wundervollen Abend in der Hamburger Fabrik, das einzige Mal, dass ich ihn live sah. Und weil es sich solo und akustisch stärker von den Studio-Versionen entfernt anfühlt knapp vor
Paul Weller: Live Wood
Was natürlich trotz völlig anderer Setlist ebenfalls die beste Bande Songs meiner Liste ist.
Dazwischen Eva Cassidy: Nightbird
Es gibt nicht viel Musik, bei der ich mich an die Erstbegegnung erinnere. In diesem Fall lieferte mein Hifi-Dealer meine neuen Speaker und ließ während des Aufbaus zur Hörkontrolle eine selbstgebrannte CD laufen (Die Aufstellung war im übrigen ein tolles Spektakel. Ein Zentimeter vor, wieder zwei zurück, zwei Grad weiter auf den Hörplatz einwinkeln, dann wieder vier zurück, das ganze eine Viertelstunde lang, ohne dass ich selbst nennenswerte Unterschiede hätte feststellen können. Aber für schlampige Menschen wie mich ist es Pracht und Vergnügen, den akribischen bei der Arbeit zuzuschauen). Dann lief ihre Version von Autumn Leaves – und ich musste mich sehr zusammenreißen, um vor dem jungen Herrn nicht unmittelbar loszuheulen. Im Forum scheine ich der einzige Jünger zu sein. Ist sie zu bieder? Zu brav? Zu ihren Lebzeiten kamen sie und ihre Band ja kaum über den Status einer lokalen Barband hinaus und mein Coolness-Radar war immer dysfunktional und hat im Alter einen Totalschaden erlitten. Oder liegt es daran, dass sie zwischen allen Stühlen sitzt, weder Jazz noch Blues noch Soul, weder Singer/Songwriter noch Pop, aber von allem ein bisschen ist? Wenige berühren mich ähnlich, wobei ich bei ihr, anders als z.B. bei Janis Joplin, immer auch ihre tragische Geschichte mithöre. Nightbird ist die erweiterte Version ihres Opus Magnum Live At Blues Alley, welches ich ebensogut auf diesem Platz nominiert hätte. Aber mehr Eva bringt mehr Glücksgefühl.
Carolyne Mas: Mas Hysteria
Das muss man ja auch erst einmal hinbekommen, eine langsame 12-Minuten-Nummer mit ausufernden Soli, inkl. Bass, bei der sich die Tanzfläche nicht komplett leert. Ausgerechnet eine Frau von der ich kein anderes Album besitze, sie auch nur vom gelegentlichen reinhören kenne, schafft´s. Im Grunde weiß ich nicht einmal, was für einen musikalischen Bereich sie hier beackert. Irgendetwas mit Blue Collar oder so? Dazu jedenfalls supercatchy Vierminüter in hitziger Clubatmosphäre mit zeittypischer Punk-Energie, ohne selbst Punk zu sein.
Heather Nova: Wonderlust
Drei mal in meinem Leben war ich in Popstars verknallt. Als Kind in Agnetha, als junger Kerl in Heather, als alter Sack … doch dazu später. Dabei habe ich nach Wonderlust sogar recht flott das Interesse an ihrem weiteren Werk weitgehend eingebüßt, aber was könnte es schöneres geben, als ein Oyster/Siren-Destillat, deren Interpretationen den Studioversionen nicht nachstehen, nebst einigen weiteren Perlen. Wenn sie „I want you to come, walk this world with me“ intoniert wünsche ich mir bis heute, sie würde mich persönlich ansingen und ich würde mit aufgerissenen Augen und herunter gefallenem Unterkiefer betäubt, betört und bräsig „jajajaja, tausendmal ja, unbedingt, nichts lieber als das, ich folge dir blind überall hin“ stammeln und schmachten.
R.L. Burnside: Burnside On Burnside
Burnside und seine Spießgesellen werfen Brocken rohen Fleisches in die Meute und die macht sich gierig drüber her. So klingt es jedenfalls für mich. Zwischendurch zum Luftholen ein paar mit amüsanten Schnurren angereicherte ruhigere Solonummern. So geht Blues.
Judas Priest: Unleashed In The East
Ich hatte es beim Priest-Voting kundgetan, die Phase bis British Steel ist die einzige, die mir etwas bedeutet, und alles hier gebotene stellt für mein Empfinden die auch schon starken Studiofassungen noch einmal deutlich in den Schatten. Außerdem mein Referenzalbum wenn es darum geht als 14-jähriger vor dem Spiegel ikonisch-alberne Rockstarposen zu imitieren, zur Not vermutlich sogar im Bademantel, auch wenn sich über die konkrete Erinnerung daran ein gnädiger Bademantel des Vergessens gelegt hat.
Rodrigo y Gabriela: Live in Japan
Fast auf jedes Studio- folgt auch ein Live-Album und ich habe sie alle lieb. Aber auch wenn ich ihre erkennbare Lust an Weiterentwicklung und Veränderung gutheiße sind sie mir doch als akustisches Gitarren-Duo am liebsten. Wobei sie ja auch dann eher wie ein um zwei Perkussionisten erweitertes Gitarren-Duo klingen. Als Nachfolger zu meinem favorisierten Studio-Album vorne, schon weil man als Hörer hier mit den Krachern Tamacun und Diablo Rojo rausgeschmissen wird.
Floyd McDaniel: West Side Baby
Aus der dritten Reihe des Blues im eleganten und geschmeidigen T-Bone-Stil bekam er überhaupt erst im fortgeschrittenem Alter die Chance zu eigenen Alben und liefert eine wunderschöne Lektion in Sachen Alterslässigkeit. Alles können, nix beweisen müssen. Und die Begleitung von Dave Specter schadet sicherlich nicht.
Thin Lizzy: Live And Dangerous
Trotz der Weggefährten, die mir unterm Strich mehr bedeuten: Schöner als endlos ausufernde Soli und Gejame find`ich´s doch konzise und dicht am Song. Und hier ist Are You Ready drauf.
Mississippi Fred McDowell: London Calling aka Live At The Mayfair Hotel aka Standing At The Burying Ground
Mein favorisierter Bluesman, der als einziger das unmögliche ermöglichte, gleichzeitig geerdet und gespenstisch zu klingen. Und mit der elektrischen höre ich ihn noch ein wenig lieber.
Neil Young: Live Rust
Warum dies, und nicht z.B. Weld? Oder Unplugged? Oder Live At Massey Hall 71? Oder neuerdings bei mir Way Down In The Rust Bucket? Weil … weil … ja Herrgott, ich weiß es doch auch nicht. Es fühlt sich eben richtig und ultimativ an.
AC/DC: If You Want Blood You´ve Got It
Wenn ein Live-Album ohne einige meiner Fav-Songs, weil die eben zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht erschienen waren, es trotzdem in meine Liste schafft, drückt das meine enorme Wertschätzung aus. Die Hohepriester des schmierigen Harr-Harr im Knacksound und mit ihrem besten Schreihals.
Muddy Waters: Muddy „Mississippi“ Waters Live – 2CD
Jaja, schon klar, Muddy Waters At Newport 1960 wird allgemein als sein Live-Klassiker gehandelt. Das erste, was ich von ihm hörte war allerdings die hier so prächtig radaugebruderte Version von Mannish Boy. Und das hat sich bis heute bei mir festgekrallt. Zudem ziehe ich gerade bei dieser Musik die Club- der Festival-Atmosphäre vor. Zur Top 20 reicht es für mich allerdings tatsächlich erst durch die erweiterte 2CD-Version von 2003. Mehr Klassiker, wodurch dann auch wieder Got My Mojo Working an Bord ist.
Santana: Lotus
Irgendwann so ab den 80ern hatte ich das Gefühl, Santana ist oder sind zum Soft Target degeneriert, dass von jedem Musikjournalisten mal ordentlich durchverhöhnt wird. Ich mochte innerlich auch kaum widersprechen, es hat ja Gründe, dass mein eigener Bestand sich nach Inner Secrets ausdünnt und schließlich ganz versiegt. Aber was war das in den ersten Jahren für eine Band! Hier das beste aus fiebrigem Latin-Rock und spiritueller Fusion in ausufernden, ekstatischen Versionen.
Mazzy Star: Ghost Highway
Alle Sehnsucht beginnt mit Hope. Dabei bin ich sehr spät zu ihr, bzw. Mazzy Star gekommen. Ich bin ziemlich gut darin, mir Künstlernamen zu merken. Wenn ich einen Namen zwei oder drei mal gelesen habe, ohne den Act je zu hören, erinnere ich mich meist trotzdem noch daran, auch wenn mir der Name erstmals 20 Jahre später wieder begegnet. Dummerweise bin ich aber noch besser darin, falsche Verknüpfungen herzustellen. Als mich vor ca. 10 Jahren ein Freund fragte, wie ich Mazzy Star finde war meine Antwort etwa, er wüsste doch, dass ich mit R&B oder Hip-Hop wenig anfangen kann, und es überrascht mich auch, dass er das hört. Er antwortete dann wohl etwa „???“. Aber egal, ich weiß sowieso nicht, ob ich in den frühen 90ern auf diese Musik angesprungen wäre. Jetzt ist das für mich gewissermaßen die altersgerecht weniger jugendliche und drängende, erwachsenere, dunklere und hoffnungsärmere, versponnenere und introvertiertere Version von dem, was Heather Nova für mich in den 90ern war. Und natürlich meine dritte große Musikerinnen-Liebe. Allerdings: ich habe Ghost Highway aus einer seriösen Quelle erworben und auch jpc bietet es an, bei allmusic und discogs ist es gelistet, bei letzteren scheint man sich aber uneinig, ob es sich um ein offizielles Release oder ein Bootleg handelt.
Gisbert zu Knyphausen: Live @ Fliegende Bauten
Texte sind mir egal. Nein, schlimmer, zu viel phonetische Textverständlichkeit beeinträchtigt meinen Musikgenuss. So, nun ist es raus und man mag das gerne ignorant finden. Die kleine Sprachbarriere meines Mittelschulenglisch ermöglicht es mir vieles zu überhören und mir hier und dort Zeilen und Bilder herauszugreifen und mein eigenes Kopfkino mit der musikalischen Atmosphäre, die mir viel mehr bedeutet, zu connecten. Deshalb höre ich vermutlich auch nur weniger als ein Dutzend die deutsche Sprache nutzende Künstler. Wenn mich die Textverständlichkeit nicht mehr stört und einer von denen einen Weg in meine Liste schafft, dann muss er mich textlich, im Ausdruck und eben am Ende auch musikalisch schon verdammt packen. Tut zu Knyphausen offenbar.
Eddie Lee „Mustright“ Jones: Yonder Go That Old Black Dog – Blues, Spirituals and Folksongs from Rural Georgia by Eddie Lee Jones and his family
Ich bin mir nicht einmal sicher, ob dies ein Live-Album im Sinne dieser Umfrage ist. Es handelt sich um field recordings die in oder vor Jones´ Country Shack aufgenommen wurden, wobei seine Familie und vielleicht auch Freunde gelegentlich mitwirken, manchmal aber auch nur im Hintergrund bei alltäglichen Verrichtungen zu hören sind, was sie für mich zu Publikum, und daher dieses Album eben zu einem Live-Album macht. Dabei ist es hier nicht die Musik alleine, die es in meine Liste schaufelt, es berührt mich beim Hören vor allem immer wieder über die Umstände. Jones war sicherlich nicht auf Rosen gebettet, ein Habenichts, der laut Begleittext in einem Landstrich lebte, in der ein Freizeitvergnügen der weißen Jugend darin Bestand, an der Landstraße laufenden Afroamerikanern aus dem fahrenden Wagen einen Baseballschläger in den Rücken zu knüppeln. Selbst für Bluesverhältnisse ein Nobody, von dem kein Foto existiert und dessen Verbleib nach diesen Aufnahmen unbekannt ist, obwohl sie in den 60ern und nicht den 20ern oder 30ern entstanden, er heute theoretisch noch leben könnte, mit einiger Wahrscheinlichkeit noch welche von seinen zu hörenden Kindern. Und dennoch gibt es dieses Dokument simpelster Hausmusik, welches vielleicht nur noch von wenigen hundert oder tausend Menschen, aber von denen eben doch, über die Jahrzehnte und tausende Kilometer hinweg gehört wird und die Anteil an seinem Leben nehmen. Das höre ich immer mit, und ich finde es zu gleichen Teilen traurig und tröstlich, und eben dadurch wird es zu einem meiner wichtigsten Live-Alben.
Grand Funk Railroad: Caught In The Act
Das Album mit dem längsten Anlauf. Als ich gerade Hard ´n´ Heavy, bzw. überhaupt Musik für mich entdeckt hatte, war Live Album eines der ersten, welches ich überhaupt hörte. Stand bei den Nachbarn herum und ich dachte, ein Album mit wüsten Gitarren- und Matteschwingern auf dem Cover müsste doch etwas für mich sein. Konkret erinnere ich mich gar nicht an das Album, nur an die Enttäuschung und dass ich es meh und mäh und matschig fand. Und wenn mir Grand Funk in den folgenden Jahrzehnten in der Presse wieder über den Weg lief entstand immer der Eindruck, dass es sich um die meistverspottete Band der Musikhistorie handelte, also ließ ich die Finger von ihnen. Erst in den 10er-Jahren hörte ich dann doch einmal wieder bei ihnen rein und dachte „hoppla, das geht ja flott ab“. Das führte zu Caught In The Act, und was soll ich sagen? Hoppla, das geht ja flott ab! Live Album habe ich aber immer noch nicht wiedergehört.
In der engeren Auswahl:
Björn Berge: Live In Europe
Charles Brown: A Life In The Blues
Nick Cave And The Bad Seeds: Live Seeds
Eric Clapton: Just One Night + Unplugged
Deep Purple: Made In Japan (das Album, dessen Abwesenheit in den Top 20 sich am sonderbarsten anfühlt. Mehr als zwei Jahrzehnte hätte ich es sofort als meine Nummer 1 benannt. The Mule war für mich aber immer einer ihrer schwächeren Tracks und bei mir gewinnt er auch nicht durch ein wie auch immer virtuoses Drum-Solo. In abgeschwächter aber ähnlicher Form gilt das für mich auch für Space Truckin´, obwohl ich das in Teilen durchaus mitreißend finde. Den Rest gegeben hat ihm ein bisschen die Remastered Edition mit der Bonus-CD. Wären Black Night, Speed King und Lucille statt der beiden genannten Tracks auf dem Original enthalten stünde es immer noch weit oben.)
Dire Straits: Live At The BBC
The Doors: Alive, She Cried + Absolutely Live-Live
Snooks Eaglin: Live In Japan
Aretha Franklin: Live At Fillmore West
Donny Hathaway: Live
Jimi Hendrix: Und er dann der, bei dem es mich am meisten ärgert, dass er draußen bleibt. Verschiedene Winterland-Editionen, Monterey, Woodstock, Concerts, Band Of Gypsys, kein Anspruch auf Vollständigkeit, mehr Kandidaten als bei olle Neil. Aber die anderen liegen mir dann doch ein bisschen mehr am Herzen.
Jethro Tull: Nothing Is Easy – Live At The Isle Of Wight 1970
Janis Joplin: In Concert
B.B. King: Live In Cook County Jail + Live At The Regal
Led Zeppelin: How The West Was Won + The Song Remains The Same
Bob Marley: Live! + Babylon By Bus
Wes Montgomery: Smokin´ At The Half Note
Mother´s Finest: Live
Motörhead: No Sleep ´til Hammersmith
Ramones: It´s Alive
Santana: Live At The Fillmore 1968 (und Woodstock wäre Top 20, das habe ich aber nur als Teil der Deluxe-Edition des Debüt)
The Horace Silver Quintet: Doin´The Thing – At The Village Gate
Bill Withers: Live At Carnegie Hall
Neil Young: s.o.
Wer fehlt: John Lee Hooker. So viel tolles Zeug. Aber nicht für ganz oben. Und bizarrerweise eine Lieblingsband, die in der Blütezeit der Live-Alben ihr Hauptwerk ablieferte, in einem Genre, für das Live-Alben geschaffen scheinen. Aber Black Sabbath haben diese Disziplin nicht richtig auf die Kette bekommen.
Übersteigt meine Kräfte: Obwohl offiziell zugelassen schaffe ich es einfach nicht, Ummagumma von Pink Floyd und Moonflower von Santana als Live-Alben im Sinne der Aufgabenstellung zu klassifizieren.
zuletzt geändert von zoji--
Und lieg´ich dereinst auf der Bahre, dann denkt an meine Guitahre, und gebt sie mir mit in mein Grab (Der rührselige Cowboy, D. Duck)