Antwort auf: Umfrage zu den besten Live-Alben

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friedrich

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Beiträge: 5,160

@delia-hardy(…)
Ad Suicide, beispielhaft an der belgischen Seite entlang: Sie werden vorgestellt und genau eine Person im Publikum klatscht, dann beginnt „Ghost Rider“ und endet halt wieder und zwei Leute klatschen und hundert buhen.
„Rocket USA“ ist nicht wiederzuerkennen, hat aber einen spannenden Groove, jedoch steigert Alan Vega sich zum Schluss in sein eigenes Echo aus „You’re gonna die, die, DIE, YOU’RE DIE GONNA DIE DIE etc…“ rein, als ob die gleichnamige Kammer eine Gummizelle ist. Wieder Buhrufe, dann fängt das Publikum an etwas zu singen, was allerdings in einen parolenhaften Sprechchor mündet und Alan fragt: „What are they saying?“ (Ich weiß es auch nicht).
Cherée ist dann ein hervorragendes Beispiel um auf Martin Rev hinzuweisen, der nicht nur den Umständen entsprechend, sondern tatsächlich alles hervorragend macht (Alan hält sich hier weitgehend raus, bis er nach Ende des Tracks nach Zigaretten fragt und angepisst ist und irgendwen anschnautzt, weil Rauchverbot herrscht). Dann „Dance“, das musikalisch fein elektrisierend klingt, an den Vocals aber, als ob der Drill Instructor aus Full Metal Jacket irgendwo im Niemandland zwischen einem epileptischen Anfall und schlechten Amphetaminen hängen geblieben ist.
Und zum Schluss meine allerliebste Lieblingsstelle der Moment, als Frankie Teardrop gerade seine ersten beiden Sätze gesagt hatte, dann aber keine weiteren folgten, es auf der Bühne still wurde, Begeisterung und abermals Sprechchöre im Publikum zu vernehmen sind und sich nach einer weiteren Weile des Ungewissen ein Roadie oder Bühnenmitarbeiter mit dem Aufruf meldete, dass derjenige, der just die Bühne gestürmt hatte um Alan das Mikrofon zu entreißen, dieses Mikrofon doch bitte wieder zurückgeben möge, denn sonst würde die Show nicht weitergehen können. Begeisterung brandet auf und Alan ruft die Schlussworte: „Shut up you fuckers, this is about Frankie!“
Summa sumarum, ja, die Nennung erfolgte aus absoluter Lust am Spektakel.

Wow, toll beschrieben!

Aus heutiger Sicht denkt man, da wäre man gerne dabei gewesen. Aber alle damals Beteiligten, auf und vor der Bühne, fanden es wohl bloß furchtbar! Ich habe die Aufnahme dieses Desasters tatsächlich als Teil einer erweiterten CD-Re-Issue des Debut-Albums. Außerdem ist da auch noch eine Live-Aufnahme aus dem CBGB’s in NYC von 1977 drauf. In den liner notes gibt es eine Beschreibung des Gigs in Brüssel. Das war im Vorprogramm von Elvis Costello, der sauer war, dass Suicide vom Publikum so angefeindet wurden, danach ein nur 30-minütiges Set runterspielte, worauf das Publikum den Laden auseinandernahm.

Alans Konzert im Rockpalast 1982, das im Jahre 2023 das Licht der Welt erblicken durfte, ist da das… nun ja, nicht komplette Gegenteil, denn Martin Rev rettet das Suicide-Live-Dokuments akustisch enorm, dennoch eben doch in allen anderern Belangen das komplette Gegenteil. Das ist sogar so gut, dass ich alles in einem einzigen Satz zusammenfassen kann: „Der geneigte Fan braucht das unbedingt!“. Das Be Bop A Lula Jukebox Babe ist in Topform.
Auch die Aufmachung der LP ist sehr schön und ein sehr informatives achtseitiges, 12″-großes Booklet ist beigelegt, mit Presseschnippseln aus der Zeit, ausführlichen Liner-Notes, einem Überblick über Alans Schaffen als bildender Künstler und zu guter Letzt auch noch das Konzert und eine Mini-Doku titels „Alan Suicide: Collision Drive 2002“ als DVD zum Angucken mit an Bord ist. Big thumps up! :)

Das kenne ich jedoch nicht. Klingt gut!

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„Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)